The Greyhoundshow

26.10.2022

Neues zum Greyhound-Verhalten

Filed under: Auf den Greyhound gekommen,Literaturtip — admin @ 14:36

Es gibt mal wieder Interessantes aus der Verhaltensforschung!
Vorrangiges Ziel einer aktuellen Studie „Comparison of behavioural tendencies between “dangerous dogs” and other domestic dog breeds – Evolutionary context and practical implications“ der School of Life Sciences in Lincoln (UK) war herauszufinden, ob sich Hunderassen, die in irgendeinem Land als „gefährliche Hunde“ gesetzlich reglementiert sind („Listenhunde“) in ihrem Verhalten von anderen Hunderassen unterscheiden, für die keine derartige Auflagen gelten. In der zweiten Gruppe war unter 25 Rassen auch der Greyhound dabei, daher stellen wir die Studie hier kurz vor.
Es wurden zwei validierte psychometrische Instrumente in Form von Fragebögen verwendet: die „Dog Impulsivity Assessment Scale“ (DIAS), welche Elemente der Impulsivität, einschließlich der Neigung zu aggressivem Verhalten, bewertet, und die „Positive and Negative Activation Scale“ (PANAS), die die Empfindlichkeit gegenüber positiven und negativen Reizen (welche aggressive Reaktionen auslösen können) misst.
Insgesamt wurden damit fünf Verhaltensbereiche beschrieben:

  • „Positive Activation“ (PANAS): Sammelwert für Energielevel, Interesse, Ausdauer und Begeisterung des Hundes bei der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt.
  • „Negative Activation“ (PANAS): Sammelwert für Stress- oder Schreckreaktionen auf unvorhersehbare Reize und die Fähigkeit, sich an fremde Umgebungen und neue Situationen anzupassen.
  • „Behavioural Regulation“ (DIAS): Sammelwert für die Fähigkeit zur Impulskontrolle gegenüber verschiedenen Reizen
  • „Aggression & Response to Novelty“: Sammelwert für aggressive / averse Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen
  • “Responsiveness”: Sammelwert für die Bereitschaft des Hundes, Dinge zu lernen, Anteil an seiner Umgebung zu nehmen und mit dieser zu interagieren.

Der PANAS-Fragebogen wurde für 91 Greyhounds, der DIAS-Fragebogen für 95 Greyhounds ausgefüllt.

Positive Activation“ ist anscheinend des Greyhounds Sache nicht – er erzielte insgesamt den geringsten Durchschnittswert aller 25 „nicht-Listenhunde“ und lag damit auch deutlich unter dem Mittelwert in dieser Gruppe. Es gab auch ein paar Greyhounds, die in diesem Bereich eher überdurchschnittlich abschnitten (vermutlich eher jüngere Semester), aber alles in allem drängt sich der Verdacht auf, dass Greys im Großen und Ganzen faule Säcke sind.

Im Bereich „Negative Activation“ schnitten die Greyhounds leicht überdurchschnittlich ab, d. h. ihr Mittelwert liegt etwas über dem Mittelwert aller 25 „nicht-Listenhunde“. Interessant ist die sehr breite Streuung der Einzelergebnisse bei den Greyhounds. Während es einige anscheinend sehr „coole Socken“ mit ausgesprochen niedrigen Werten gibt, liegen einige Exemplare mehr als die doppelte Standardabweichung über dem Mittelwert dieser Gruppe – vielleicht handelt es sich dabei um sogenannte „Spooks“?

Bei der „Behavioural Regulation“ liegen die Greyhounds ziemlich genau auf dem Mittelwert dieser Gruppe, wobei auch hier die breite Streuung auffällt. Während sich einige Greys offenbar als wahre Meister der Selbstbeherrschung präsentieren (oder vielleicht interessieren sie sich einfach nur für viele Dinge einfach nicht?), scheinen andere schon beim geringsten Anlass aus dem Hemd zu springen.

In neuen Situationen liegt die Tendenz zu „fremdeln“ oder sich aufzuregen und dann ggfs. auch aggressiv zu reagieren höher als der Mittelwert in dieser Gruppe (und sogar höher als bei Dobermann und Deutschem Schäferhund!).

Dafür landen die Greyhounds dann in Sachen „Responsiveness“ eindeutig wieder auf dem letzten Rang. Wer also gerne bei Obedience-Wettbewerben ganz vorne mitmischen möchte, sollte sich möglicherweise nach einer anderen Hunderasse umsehen.

Auf jeden Fall interessante Erkenntnisse über unsere „45 mpH Couch Potatoes“ :-)

Das Endresultat dieser Studie ist übrigens, dass sich die beiden Rassengruppen in keinem der verschiedenen DIAS- und PANAS-Faktoren signifikant unterscheiden. Die Forschenden fanden allerdings große Unterschiede in allen Verhaltenstendenzen innerhalb beider Gruppen und innerhalb jeder untersuchten Rasse. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Hunderasse allein kein zuverlässiger Prädiktor für individuelle Verhaltenstendenzen ist, auch nicht für solche, die mit Aggression zusammenhängen, und dass rassespezifische Rechtsvorschriften daher wahrscheinlich kein wirksames Instrument zur Risikominderung sind.
Um es mit Loriot zu sagen: „Ach was.“

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