The Greyhoundshow

16.10.2022

Umfrage Zahngesundheit

Filed under: Gesundheit — admin @ 13:30

Ausgehend von den Ergebnissen der „großen“ Greyhound-Gesundheitsumfrage für fast 370 Greyhounds aus aller Welt haben wir einen zweiten Fragebogen in Umlauf gebracht, der sich ausschließlich mit der Zahngesundheit beim Greyhound befasste. In der ersten Umfrage tauchte nämlich „Zahnstein“ als zweithäufigstes Gesundheitsproblem überhaupt auf – mit fast 30 % betroffener Hunde. Inzwischen wurde der deutschsprachige Fragebogen für 120 Hunde vollständig ausgefüllt, der englische für 12 Rassevertreter. Zeit, ein paar Ergebnisse zusammenzufassen.

Die Geschlechtsverteilung war genau 50 : 50, die meisten Greyhounds (36,4 %) stammen aus Rennlinien, der überwiegende Teil der restlichen Stichprobe aus Showlinien (31,8 %). Von diesen 132 Greyhounds wurde nur für 22 Hunde vermerkt, dass sie bisher keine Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen hatten.

Als Erstes haben wir daraufhin die Vorsorgemaßnahmen der einzelnen Greyhoundhalter angeschaut:

  • Täglich oder mehrfach die Woche die Zähne mit einer Handzahnbürste geputzt bekommen 32 Greyhounds (24,2%). Darunter ist befindet sich keiner, der nicht an Zahnbelag, Zahnstein oder Zahnfleischentzündungen leidet. 
  • 30 Hunde (22,7 %) erhalten täglich oder mehrmals in der Woche Naturkauartikel zur Zahnpflege. Von diesen leiden immerhin 9 (30 %) NICHT an den vorgenannten Problemen, wobei drei von ihnen zusätzlich auch noch regelmäßig Knochen bekommen. 
  • Mit einer Ultraschallzahnbürste („Emmi-Pet“ o. ä.) bekommen immerhin 22 Greyhounds (16,6 %) mehrmals im Monat, mehrmals in der Woche oder gar täglich das Gebiss gesäubert. Alle Hunde dieser Gruppe sind von Zahnbelag, Zahnstein oder Zahnfleischentzündungen betroffen.
  • 21 Greyhounds (15,9 %) erhalten täglich oder mehrmals pro Woche spezielle Zahnpflege-Snacks (z.B. „Dentastix“, „Greenies“ oder „Virbac Veggiedent“). Drei Hunde aus dieser Gruppe (14,3 %) haben keine der vorgenannten Probleme, wobei einer zusätzlich regelmäßig die Zähne mit einem Fingerling gereinigt bekommt. 
  • Dieser Greyhound findet sich dann auch in der Gruppe der „Fingerling-Verwender“ wieder, dies sind insgesamt 16 Hunde (12,1 %). Er ist jedoch der einzige aus dieser Gruppe, der keinerlei Zahnprobleme hat.
  • 14 Greyhounds (10,6 %) erhalten täglich oder mehrmals pro Woche Knochen (z.B. Hühnerhälse oder Kalbsbrustbein) zu Kauen. Vier davon haben keine der vorgenannten Probleme, wovon drei zusätzlich aber auch regelmäßig Naturkauartikel erhalten. 

Die höchste „Erfolgsquote“ scheinen wir also bei den Hunden zu finden, die regelmäßig etwas zum Kauen erhalten (Naturkauartikel, Knochen oder Zahnpflegesnacks). Allerdings müsste man die hohe „Befallsrate“ bei den Greyhounds, die ihre Zähne regelmäßig mit einer (Ultraschall-)Zahnbürste oder einem Fingerling geputzt bekommen, näher unter die Lupe nehmen:
Haben deren Halter erst mit den Pflegemaßnahmen begonnen, nachdem Probleme aufgetreten waren, oder haben sich Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen trotz der regelmäßigen Pflegemaßnahmen entwickelt? 

Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Gabe von Snacks und Kauartikeln wesentlich positiver (für Mensch und Hund) besetzt ist als z.B. regelmäßiges Zähneputzen. Es ist daher denkbar, dass für Umsetzung der letzteren Maßnahme bei vielen Hundehaltern ein höherer Leidensdruck ausschlaggebend ist.

Wir haben uns natürlich auch die Fütterung insgesamt angesehen:

  • Die meisten Greyhounds in der Umfrage (42,4 %) erhalten täglich oder mehrmals in der Woche extrudiertes Trockenfutter (nicht eingeweicht). 11 von ihnen hatten bisher noch keine der genannten Zahnprobleme (19,6 %).
  • An zweiter Stelle kommt gewolftes Fleisch (roh oder gekocht). Dies erhalten 49 Greyhounds (37,1 %) entweder täglich oder mehrmals in der Woche. Davon haben acht bisher keine Zahnprobleme (16,3 %).
  • 48 Greyhounds bekommen regelmäßig Nassfutter (36,6 %), davon haben 8 (16,7 %) keine der genannten Probleme.
  • 46 Hunde (34.8 %) bekommen hingegen täglich oder mehrmals pro Woche eingeweichtes Trockenfutter kredenzt. Sieben von ihnen (15,2 %) haben bisher keine Zahnprobleme.
  • Fleisch in Stücken erhalten 39 Greyhounds regelmäßig (29,5 %), auch hier sind sieben Hunde bisher ohne Zahnprobleme davongekommen (17,9 %).
  • Kaltgepresstes Trockenfutter bekommen nur 13,6 % der Greyhounds regelmäßig, halbfeuchtes Futter lediglich 3 %.

Am günstigsten wirkt sich offenbar die Fütterung von nicht-eingeweichtem Trockenfutter aus, gefolgt von Fleisch in Stücken. Mit Nassfutter oder gewolftem Fleisch gefütterte Greyhound weisen einen ähnlichen  Prozentsatz an Zahnproblemen auf, bei Fütterung von eingeweichtem Nassfutter ist dieser Anteil noch etwas höher. Nur zwei Greyhounds bekommen nicht regelmäßig etwas zum Kauen, die restlichen Hunde können täglich oder zumindest mehrmals in der Woche ihr Gebiss trainieren. 

Um die Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen bei ihrem Vierbeiner zu beheben, ergriffen deren Halter unterschiedliche Maßnahmen:

  • Die meisten (60,9%) versuchen es mit Zähneputzen. Dazu benutzten sie entweder eine Zahnbürste oder einen Fingerling.
  • 54,5 % der Greyhoundhalter rücken auch selbst mit einem Scaler (oder dem Fingernagel) vorhandenem Zahnstein zuleibe.
  • Immerhin bei 43,6 % wurde eine Zahnbehandlung beim Tierarzt fällig (oder ist geplant). Davon wurden drei Greyhounds aus einem anderen Grund in Narkose gelegt, und die Zahnsanierung in dem Zusammenhang gleich mit erledigt. 
  • 36,3 % der Greyhound-Halter versuch(t)en es mit speziellen Zahnreinigungs-Produkten wie Gels oder Sprays (z.B. „Platinum Oral Clean + Care“ oder „Herbax)“.
  • Auf Zahnpflege-Snacks (zwei Teilnehmer schwören auch auf Kalbsbrustbein) greifen 30 % der Befragten zurück.
  • Mit einer Ultraschall-Zahnbürste (z.B. „Emmi-Pet“) sagen 23,6 % dem Zahnbelag ihrer Greyhounds den Kampf an.
  • Ergänzungsfuttermittel zur Steigerung der Zahngesundheit (z. B. „Plaque-Off“) verwenden hingegen nur 12,7 %, wobei ein Greyhound täglich ein spezielles Trockenfutter („Hill’s t/d“) erhält.

Es scheint also keine eindeutliche Ursache bzw. keinen wirklichen Geheimtipp hinsichtlich der Fütterung oder Pflege zu geben. Um die möglichen Ursachen weiter zu beleuchten, haben wir auch den genetischen Hintergrund der Greyhounds abgefragt. Wenn man diesen Filter anwendet, ergeben sich bei den beiden größten Gruppen (Renn- bzw. Showlinien) doch deutlichere Unterschiede:

  • Von den 42 Show-Greyhounds hatten 10 (23,8%) keine Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen. Bei den 32 Show-Grey mit besagten Problemen lag das Alter für das erste Auftreten zwischen 0 und 8 Jahren. Nur fünf dieser Hunde (15,6%) wurden deshalb bereits tierärztlich behandelt, zwei von fünf bekamen dabei auch Zähne gezogen. Der Median des Alters für die erste tierärztliche Zahnsanierung liegt bei sechs Jahren. Insgesamt geben die Halter der Showgreyhounds der Zahngesundheit ihrer Hunde eine „2“: „Mäßig, mit normalem Pflegeaufwand gut im Griff zu halten“ mit Tendenz in Richtung „3“: „Sehr gut, erfordert kaum Pflege und kein tierärztliches Eingreifen“ (Mittelwert 2,23). 
  • Bei den Renngreyhounds (n = 48) hatten nur zwei (!) keine Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen (4,2%). Von den 46 betroffenen Renn-Greys musste die Hälfte bereits deswegen tierärztlich behandelt werden, Alters-Median für die erste Behandlung ist 5 Jahre. 15 von 23 Hunden bekamen dabei auch Zähne gezogen. Insgesamt beurteilten die Renngreyhound-Halter die Zahngesundheit ihrer Hunde ebenfalls mit einer „2“, aber mit entgegengesetzter Tendenz in Richtung „1“ „Schlecht, erfordert viel Pflege und ggfs. regelmäßige tierärztliche Intervention“ (Mittelwert 1,85).

Spielt der Zeitpunkt der Übernahme eine Rolle? Man könnte ja mutmaßen, dass Greyhounds, sie seit dem Welpenalter bei ihren Haltern sind, eventuell mehr Prophylaxe erfahren und damit später auch weniger Zahnprobleme aufweisen. 61 der Greyhounds in der Umfrage wurden entweder selbst gezüchtet oder als Welpe vom Züchter übernommen, 48 stammten von einer Tierschutzorganisation. Daher konnte man das gut vergleichen:

  • Bei den Hunden aus dem Tierschutz war kein Show-Greyhound dabei. Keine Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen wurde nur drei Hunden bescheinigt (6,25 %). Bei den übrigen 45 Greyhounds mit besagten Problemen konnte für 40 % keine Angaben zum Auftretensalter gemacht werden, da die Hunde bereits mit diesen Problemen im Erwachsenenalter übernommen wurden. Bei den Greyhounds, wo eine Alterangabe gemacht wurde, lag die Spanne zwischen 1 – 7 Jahren (Median 3 Jahre). Mehr als die Hälfte dieser betroffenen Greyhounds (n = 23) wurden deshalb auch schon beim Tierarzt behandelt. Deren Alter lag bei Erstbehandlung zwischen 2 – 7 Jahren (Median 4 Jahre). Fast 70 % bekamen dabei auch Zähne gezogen (n = 16), in einem Alter zwischen 2 – 9 Jahren (Median 6 Jahre). Insgesamt wurde die Zahngesundheit von den Haltern mit einer „2“ mit deutlicher Tendenz in Richtung „1“ (1,77) beurteilt.
  • Sonst im Erwachsenenalter übernommen (vom Züchter oder einer anderen Privatperson) wurden 11 Greyhounds aus Renn-, Show- und Coursinglinien. Von diesen hat nur ein einziger keine der genannten Probleme (9,1 %).
  • Selbst gezüchtet wurden 13 der Greyhounds in der Umfrage, 48 kamen bereits als Welpe zu ihren heutigen Haltern. Von diesen insgesamt 61 Hunden wurde für 29,5 % angegeben, dass sie keinerlei Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen haben. 43 Hunde leiden hingegen an derlei Problemen, das Auftretensalter lag zwischen 1 – 7 Jahren (Median 3 Jahre). Neun von ihnen wurden deshalb auch dem Tierarzt vorgestellt, nur sechs bekamen während der Zahnsanierung auch Zähne gezogen (9,8 %). Das Alter bei Erstbehandlung lag zwischen 3 – 9 Jahren (Median 7 Jahre). Insgesamt wurde die Zahngesundheit von den Haltern mit einer „2“ mit deutlicher Tendenz in Richtung 3 (2,44) beurteilt. 

Bei dieser Segmentierung schnitten also tatsächlich die Greyhounds, die als erwachsene Hunde über eine Tierschutzorganisation vermittelt worden, deutlich schlechter in Bezug auf die Inzidenz und auch hinsichtlich der Schwere der Zahnprobleme an. Interessant auch, dass etliche dieser Hunde die Problematik bereits bei der Übernahme im Gepäck zu haben scheinen. 

Zusammenfassend kann man sagen, dass Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag oder Zahnfleischentzündungen bei Greyhounds überdurchschnittlich häufig aufzutreten scheinen, In dieser Umfrage waren es sogar über 80 % der Hunde, die solche Probleme aufweisen. 

Andere Gebiss-Probleme wie Zahnfrakturen Zahnfisteln kommen hingegen eher vereinzelt vor, ebenso wie stark abgenutzte Fang- oder Schneidezähen.

Innerhalb der Rassepopulation gibt es jedoch Unterschiede, was die Anfälligkeit für die Problematik angeht: Greyhounds aus Show-Linien scheinen weniger oft und minder schwer betroffen zu sein. Bei Greyhounds aus Rennlinien scheinen hingegen überproportional häufig und auch schwerere Zahnprobleme aufzutreten. Dies betrifft besonders die Renngreyhounds, die erst im Erwachsenenalter aus dem Tierschutz übernommen werden. Während Ex-Racer, die direkt aus gut geführten Racing-Kennels übernommen werden, dem Vernehmen nach Zahnpflegemaßnahmen gewohnt sind und diese auch bei ihren neuen Haltern in der Regel dulden, ist die bei einigen „Tierschutzfällen“ nicht unbedingt gegeben. Hier kommt man meist um eine umfassende (wiederholte) Zahnsanierung in Narkose nicht drumherum, Pflegemaßnahmen durch den Halter werden oftmals nicht toleriert.

In Bezug auf Prophylaxe-Maßnahmen, damit es erst gar nicht soweit kommt, konnte in dieser Umfrage kein „Stein der Weisen“ gefunden werden. Die Gabe von Trockenfutter und / oder Fleisch in Stücken, ergänzt durch Naturkauartikel, geeignete Knochen oder spezielle Zahnpflegesnacks scheint hinsichtlich der Fütterung noch am erfolgsversprechendsten zu sein. Grundsätzlich sei jedem Greyhound-Halter ans Herz gelegt, sich regelmäßig die Zähne seines Hundes genau anzuschauen. Gerade bei / nach Übernahme eines Greyhounds aus dem Tierschutz ist auch eine Vorstellung beim Tierarzt zu diesem Zweck dringend anzuraten. Empfiehlt dieser eine professionelle Zahnsanierung, sollte das nicht (etwa aufgrund einer übersteigerten Angst vor Narkosen) auf die lange Bank geschoben werden. Abzuraten ist auch in dem Zusammenhang von den „kosmetischen“ Zahnreinigungen, die manche Hundesalons anbieten. Wenngleich das Gebiss der Greyhounds nach einer solchen Maßnahme erstmal wieder strahlt, werden tiefersitzende Probleme dabei nicht erkannt bzw. behoben. 

Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn auch die Greyhound-Züchter das Thema „Zahngesundheit“ mehr in den Fokus rücken bzw. bei der Zuchtwahl berücksichtigen würden. Insbesondere, wenn zukünftig auch bei den „Leistungslinien“ vielleicht mehr Wert auf Langlebigkeit gelegt wird, ist eine robuste Zahngesundheit ein wichtiger „Wohlfühlfaktor“.

Vielen Dank an alle Greyhound-Freunde, die bei unserer Umfrage mitgemacht haben!

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