The Greyhound Show

22.8.2022

JTO – „Zuchtzielprogramm“ des finnischen Greyhound-Verbands

Im Mai dieses Jahres hat der finnische Kennel Club (Suomen Kennelliitto) die erste Zuchtstrategie für die Rasse Greyhound („JTO“ =  „Zuchtzielprogramm“) freigegeben. Dabei handelt es sich um eine 28-seitige Standortbestimmung zur Greyhound-Zucht in Finnland, ausgearbeitet vom finnischen Greyhound-Verband (Suomen Greyhoundyhdistys).
Die Zuchtstrategien, die in den nordischen Kennel Clubs für alle betreuten Rassen erstellt werden, weisen alle mehr oder weniger dem gleichen Aufbau auf. Zunächst findet man eine kurze Zusammenfassung mit den maßgeblichen Ergebnissen und den daraus abgeleiteten Empfehlungen. Damit kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, und dann anhand des gut strukturierten Inhaltsverzeichnisses Details von Interesse nachschlagen.

Zur Einführung gibt nachfolgend es einen Absatz zum historischen Hintergrund der Rasse (allgemein und in Finnland) sowie zur Organisation des betreuenden Vereins. Danach folgt eine Beschreibung des Ist-Zustandes sowie möglicher Herausforderungen für vier Schwerpunkte:

  • Populationsstruktur und Zuchtbasis
  • Charakter, Verhalten und Gebrauchseigenschaften
  • Gesundheit und Reproduktion
  • Äußeres Erscheinungsbild

Wie gewohnt, nehmen die Finnen bei ihren Ausführungen kein Blatt vor den Mund und scheuen sich nicht, auch kritische Punkte offen anzusprechen. Nachfolgend die wichtigsten Punkte.

Populationsstruktur und Zuchtbasis

Insgesamt ist die Situation der Greyhound-Zucht in Finnland recht vergleichbar mit der in Deutschland: Es werden Greyhounds aus Show- wie aus Rennlinien gezüchtet, und beides beim Finnischen Kennel Club zuchtbuchmäßig erfasst. Allerdings gibt es für Rennhunde außerdem noch den „Greyhound-Rennsportverband“ (Greyhound Racing Liitto), welcher das professionelle Greyhound- und Whippet-Rennen (mit Preisgeldern und Wettmöglichkeiten) fördert und das Finnische Greyhound-Zuchtbuch (SGK) außerhalb der FCI führt. Im Jahr 2016 wurde eine Musterung der im finnischen Greyhound-Zuchtbuch eingetragenen Hunde angeboten, und etliche Hunde mit einer Sondergenehmigung in das Register des Kennel Clubs eingetragen.  Von 2009 – 2020 wurden insgesamt 342 Greyhound-Welpen in 58 Würfen beim finnischen Kennel Club eingetragen, davon 98 Welpen / 17 Würfe aus Showlinien und 244 Welpen / 41 Würfe aus Rennlinien. Darüber hinaus wurden im gleichen Zeitraum 134 importierte Hunde registriert.

Diese Würfe wurden von insgesamt 16 Züchtern gezüchtet, darunter acht „Show-Züchter“, und nur zwei Züchter haben vier oder mehr Würfe gezüchtet. „Die Zucht von Show-Greyhounds ist rückläufig, die Zahl der Würfe nimmt ab. Ein ähnliches Phänomen lässt sich in allen nordischen Ländern beobachten. Es gibt noch etwa vier aktive skandinavische Züchter.“

Im Durchschnitt sind die zur Zucht verwendeten Hunde älter als drei oder vier Jahre. „Der Grund dafür ist, dass Hündinnen oft erst im Alter von etwa zwei Jahren zum ersten Mal läufig werden, und es wird nicht empfohlen, bereits die erste Hitze züchterisch zu nutzen. Bei jungen Rüden besteht aufgrund ihrer langsamen Entwicklung manchmal eine gewisse Unsicherheit beim Deckakt. Bei älteren und erfahrenen Rüden wurden jedoch keine Probleme hinsichtlich des Fortpflanzungsverhaltens beobachtet.“

Zwischen 2010 und 2020 wurden 48 verschiedene Rüden zur Zucht eingesetzt, davon stammten nur 11 aus Finnland. Von den 20 in den letzten zehn Jahren am häufigsten in Finnland eingesetzten Deckrüden wurden nur zwei in Finnland geboren. Im gleichen Zeitraum wurden insgesamt 49 Hündinnen zur Zucht eingesetzt, davon 20 finnische und 29 importierte Greyhounds. Von den 20 in den letzten zehn Jahren am häufigsten in Finnland eingesetzten Zuchthündinnen sind nur acht in Finnland geboren.
Das allein zeigt schon auf, dass es sich nicht um eine „finnische“, sondern eher um eine „internationale“ Population handelt – und diese auch noch aufgeteilt in voneinander getrennte Renn- und Show-Linien.

„Der Englische Greyhound ist seit Jahrzehnten eine so internationale Population, dass es unmöglich ist, völlig eigenständige Blutlinien in der Rasse zu finden, selbst im Ausland. In der Ahnenreihe praktisch aller Show-Greyhounds finden wir den aus England stammenden „Treetops Hawk“ aus den 1950er Jahren, vielleicht das „schlimmste“ Beispiel in unserer Rasse dafür, wie die Ausrichtung auf ein gutes Individuum dazu führt, dass dieser Hund hunderte Male als Vorfahre in der Abstammung eines einzelnen Hundes auftaucht.  Testweise haben wir das Vorkommen von Hawk bei einigen zufällig ausgewählten finnischen Greyhounds in der Ahnentafel gezählt. Bei unseren modernen Hunden taucht Hawk unzählige Male auf: Bei einem Rüden ganze 513 Mal, wenn man 12 Generationen sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits berücksichtigt. Natürlich gibt es bereits eine beachtliche Anzahl von Generationen dazwischen. Hawk wurde 1953 geboren, aber es gibt neben Hawk noch zahlreiche andere Rüden, die ausgiebig genutzt wurden und in kleinerem Umfang ein ähnliches Muster in den Stammbäumen der Gesamtpopulation erzeugen. Ein neuerer Deckrüde, der in unserer Population auftaucht, ist der 1982 geborene, aus England stammende und nach Norwegen exportierte „Shalfleet Signalight“ – insbesondere durch seinen Sohn, den schwedischen“ Gulds Tawny Topstar“ (geb. 1985) und seine Enkel, den norwegischen Import „Jet’s The Sting“ (geb. 1988) und den schwedischen Import „Gulds Dream Dusty“ (geb. 1990).  Der jüngste „Wiederholungstäter“ ist der schwedische „Hickory’s Nauticus“ (geboren 1994), der sich Anfang der 2000er Jahre einen Namen machte.
Die bei weitem einflussreichste Zuchthündin in unserer Population ist die 1966 geborene schwedische „Guld“, die in der Ahnentafel praktisch jedes Greyhounds in Skandinavien und darüber hinaus in der ganzen Welt zu finden ist, da ihre Nachkommen in den frühen 1970er Jahren in mehrere Länder exportiert wurden. Seit Jahrzehnten ist in Skandinavien kein Wurf mehr geboren worden, der nicht diese Hündin im Stammbaum hatte.“

„Das größte Problem in Bezug auf die Zucht der Rasse ist ihr weltweit begrenzter Genpool, so dass es praktisch unmöglich ist, wirklich getrennte Zuchtlinien zu finden. Ein zusätzlicher Faktor, der die Zuchtbasis einengt, ist der reichliche Zuchteinsatz einzelner Hunde oder ihrer Blutlinien.“

Daraus abgeleitet werden folgende Anpaarungsregeln:

  • Die Hündin muss vor dem ersten Deckakt mindestens zwei Jahre und sollte bei der letzten Zuchtverwendung nicht älter als acht Jahre sein.
  • Auch Deckrüden sollten bei ihrem ersten Einsatz mindestens zwei Jahre alt sein.
  • Die empfohlene Höchstzahl von Würfen pro Hund beträgt zwei Würfe.
  • Mit dem Import von Greyhounds und der Verwendung ausländischer Hunde für die Zucht wird das Ziel verfolgt, die Vielfalt der Population und die Verfügbarkeit neuer Abstammungen zu erhöhen.
  • Inzucht und Matadorzucht sollten vermieden werden. Inzestkombinationen (Vater-Tochter, Mutter-Sohn, Vollgeschwister) werden nicht akzeptiert, und der Club empfiehlt keine Kombinationen mit einem Inzuchtanteil von mehr als 6,25 % (fünf Generationen).

Das sind grundsätzlich löbliche Vorsätze, und gewiss ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist der letzte Punkt in der Umsetzung fragwürdig. Denn einerseits ist das Verfahren zur Bestimmung des Inzuchtgrades anhand einer Schätzgleichung ungenau und spiegelt bei einer über viele Generationen stark ingezüchteten Population wie der des Show-Greyhounds die Realität kaum wider. Abgleiche von aufgrund Pedigrees errechneter Inzuchtkoeffizienten mit tatsächlich genomisch bestimmten Inzucht- oder Heterozygotie-Werten zeigen sehr deutlich, dass die berechneten IKs deutlich unter den tatsächlichen genomischen Homozygotie-Graden liegen. Im Klartext heißt das, dass ein Greyhound, der laut Berechnung einen IK von 3,08 % haben müsste, gleichzeitig einen genomischen IK von 23 % (!) aufweist – beides berechnet auf sechs Generationen. Zusätzlich ist die Datenbasis selbst für die Berechnung des IK für nur fünf Generationen keinesfalls vollständig.

„Im Zuchtinformationssystem des Kennel Clubs (Koiranet) wird der Inzuchtkoeffizient anhand der Anzahl der Generationen berechnet, bei denen die Anzahl der bekannten (aufgezeichneten) Vorfahren noch über 50 % liegt. In der sechsten Generation gibt es zum Beispiel Stammbaumeinträge für 64 Vorfahren. Wenn 33 oder mehr Vorfahren bekannt sind, wird der Verwandtschaftsgrad auf der Grundlage von sechs Generationen berechnet. Wenn beispielsweise mütterlicherseits zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Vorfahren in den Abstammungsdaten genannt sind, gibt es maximal 32 Hunde in der sechsten Generation. In diesem Fall wird der Inzuchtkoeffizient nach fünf Generationen berechnet (Quelle: Zuchtartikelarchiv des Kennel Clubs, Katariina Mäki 2016).“

Weiter oben konnten wir lesen, dass mehr als zwei Drittel der verwendeten Zuchttiere aus dem Ausland stammen. Von diesen Tieren liegen dann jeweils nur die drei im FCI-Exportpedigree enthaltenen Vorfahren-Generationen vor, womit für die überwiegende Anzahl der finnischen Würfe keine bis zur fünften Vorfahren-Generation vollständigen Abstammungsinformationen vorliegen. Eine auf dieser Datenbasis durchgeführte Berechnung mit Einbeziehung unterschiedlicher Generationenzahl und teilweise nur lückenhafter Informationen pro Generation kann nur wenig verlässliche und auch schlecht vergleichbare Ergebnisse hervorbringen.

Daher wäre es gewiss realitätsnäher (und damit vermutlich auch zielführender), wenn man diese Regel auf den genomischen und nicht auf den geschätzten IK anwenden würde

 

Charakter, Verhalten und Gebrauchseigenschaften

Das Verhalten in Alltagssituationen wird allgemein als wenig aggressiv und freundlich bis gleichgültig gegenüber Fremdpersonen beschrieben. Auch das Fortpflanzungsverhalten ist unproblematisch. In Einzelfällen kommen Greyhounds mit ausgeprägter Trennungsangst oder Menschenscheu vor – oder insgesamt zu sensible / nervöse Hunde.

Umfangreiche Datenerhebungen liegen dieser Einschätzung jedoch nicht zugrunde. Der finnische Kennel Club hat zwar vor einigen Jahren eine Charakterbeurteilung auf dem Ausstellungsbewertungsformular eingeführt, dem Greyhound Club liegen jedoch keine Ergebnisse davon vor.

2018 wurde die erste Verhaltensüberprüfung für Greyhounds durchgeführt. Es waren 12 Hunde anwesend, von denen sechs aus Showlinien, fünf aus Rennlinien und ein Hund mit gemischter Abstammung. Zusammenfassend stellte der Richter fest, dass einige Hunde zwar zeitweise nervös waren, dass sie sich aber im Verlauf der Prüfung beruhigten. In Zukunft soll das Verhalten der Greyhounds im Rahmen der standardisierten Zuchtprüfung des finnischen Kennel Clubs evaluiert werden.

Ihre „Gebrauchseigenschaften“ können finnischen Greyhounds beim Bahnrennen und beim Lure Coursing (entweder in Einzel- oder Team-Wertung) unter Beweis stellen. Die Teilnahme an solchen Wettbewerben ist jedoch beim Greyhound rückläufig. Im Jahr 2019 nahmen beispielsweise nur noch neun verschiedene Hunde an Coursing-Wettbewerben teil, im Vergleich zu 27 im Jahr 2015. 2022 fand die Coursing-Weltmeisterschaft in Finnland statt – es ging nur ein Greyhound aus Finnland an den Start. Beim Bahnrennen waren es sechs verschiedene Hunde im Jahr 2019 und fünf im Jahr 2018.

In der JTO werden folgende Gründe dafür aufgeführt:

„Die veränderte Struktur und Größe der Hunde lässt es nicht mehr zu, dass sie bei Windhund-Wettbewerben sicher laufen können, und das Verletzungsrisiko ist hoch. Ein schwerer und großer Show-Greyhound ist kein idealer Läufer, da er nicht wendig genug für das Coursing ist und keine ausreichende Geschwindigkeit für das Bahnrennen erreicht. Der Jagdinstinkt der Ausstellungshunde ist etwas verloren gegangen, was sich in den Unterbrechungen beim Training und im Wettkampf widerspiegelt. Dies kann einer der Gründe für das nachlassende Interesse am Windhundsport sein, da ein Show-Greyhound viel Arbeit benötigt, um ein akzeptables Niveau zu erreichen. Der leichtere Körperbau von Renngreyhounds ermöglicht gute Leistungen auf der Rennbahn, aber sie sind zu schnell für die meisten Coursing-Strecken, wo eine zu hohe Geschwindigkeit ein hohes Verletzungsrisiko besonders in den Wendungen birgt. Zwischen 2016 und 2020 hat ein (1) Hund den finnischen Arbeitschampion (KVA-M) im Coursing erreicht. In den letzten Jahren hat kein einziger Hund einen Preis bei den Bahnwettbewerben gewonnen.“

Aus diesen Erkenntnissen resultieren folgende Empfehlungen:

  • Mit übermäßig sensiblen oder aggressiven Greyhounds sollte nicht gezüchtet werden.
  • Um einen besseren Überblick über das Verhalten der Zuchttiere zu bekommen, wird empfohlen, diese bei den Zuchtprüfungen des finnischen Kennel Clubs vorzustellen.
  • Der Greyhound Club wird selbst solche Zuchtprüfungen anbieten und jährliche Auswertungen der Ergebnisse veröffentlichen.
  • Um die typischen Leistungsmerkmale des Greyhounds zu fördern, wird empfohlen, in den kommenden Jahren auch die Teilnahme am Windhundesport zu propagieren. Zusätzlich wird untersucht, wie viele Hunde nur an Ausstellungen, aber nicht an Leistungsprüfungen teilnehmen.

 

Gesundheit und Reproduktion

In der Zusammenfassung steht, dass der Greyhound keine anatomischen Merkmale aufweise, die tierschutzrelevant sind oder die Hunde für bestimmte Erkrankungen oder Fortpflanzungsprobleme prädisponieren. Die bei Hunderassen mit tiefem Brustkorb häufiger auftretende Magendrehung komme zwar vor, jedoch nicht häufig. Die dünne Haut und das kurze Fell biete wenig Schutz vor mechanischen Einflüssen, so dass Greyhounds zu versehentlichen Hautverletzungen neigten. Die Rasse sei für ihre Größe schnell und wendig, so dass die Rute, die Zehen und die Sehnen recht verletzungsanfällig mache. Insgesamt sei der Greyhound aber eine gesunde Rasse. Jedoch hätten Inzucht und ein schmaler Genpool Krankheiten in die Rasse eingeschleppt, und die Untersuchung insbesondere der Hunde, die zur Zucht eingesetzt werden, wäre sehr wichtig.

Umfangreiche Datenerhebungen liegen allerdings auch dieser Einschätzung jedoch nicht zugrunde.

Der finnische Kennel Club hat 2008 eine Gesundheitsumfrage durchgeführt. Der Fragebogen wurde auf der Club-Website veröffentlicht und an die Mitglieder versandt. Ziel war es, Informationen über Hunde zu sammeln, die zwischen 1995 und 2006 geboren wurden. Nur für 18 Hunde, d. h. 6,5 % der Population der Rasse, wurde der Fragebogen beantwortet.  Bei der vom finnischen Kennel Club im Jahr 2015 durchgeführten nationalen Umfrage wurden nur für neun Greyhounds Antworten eingereicht.

Für Greyhounds gibt es derzeit kein PEVISA-Programm. „PEVISA“ ist das Programm zur Bekämpfung erblicher Defekte und Krankheiten des finnischen Kennel Clubs. Es enthält umfassende Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand der Rasse sowie Vorschriften über die Bedingungen, die Vater und Mutter des Wurfes erfüllen müssen, damit die Welpen beim Kennel Club registriert werden können. Diese Bedingungen beziehen sich beispielsweise auf die Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen, die Anzahl der Nachkommen oder wie weit die Eltern des Wurfes miteinander verwandt sein dürfen. Das Programm wird vom zuständigen Zuchtverband erstellt, und muss vom Kennel Club genehmigt werden. Die PEVISA-Programme gelten als ein Werkzeug zur Umsetzung der JTO (Zuchtstrategien).

Es liegen allerdings Ergebnisse verschiedener Gesundheitsuntersuchungen (die jedoch freiwillig sind) für Greyhounds im Koiranet vor. Im betrachteten Zeitraum 2010 – 2020 wurden folgende Ergebnisse erfasst:

  • 51 Augenuntersuchungen, davon wiesen 47 keinen Hinweis auf eine erbliche Augenerkrankung auf. Bei jeweils einem Hund wurde eine Katarakt gefunden, bei einem eine Keratitis und für zwei gab es die Verdachtsdiagnose Glaskörperdegeneration. Die Untersuchungsquote entspricht 11 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.
  • 16 Hunde wurden einer Herzuntersuchung (Auskultation) unterzogen. 15 Hunde hatten keinen Befund, bei einem Hund war das Ergebnis war zweifelhaft. Die Untersuchungsquote liegt bei 3,8 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.
  • 13 Hunde wurden auf Spondylosen geröntgt, 12 davon hatten den Befund „0“, einer den Befund „1“. Die Untersuchungsquote liegt bei rund 3 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.
  • 7 HD-Untersuchungen, davon sechs „A“-Hüften und eine „B“-Hüfte. Die Untersuchungsquote liegt bei 1,65 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.
  • 7 Untersuchungen auf Patellaluxation erbrachten siebenmal den Befund „0“. “. Die Untersuchungsquote liegt bei 1,65 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.
  • 6 Röntgenuntersuchungen der Ellenbogen, alle sieben Hunde hatten den Befund „0“. Die Untersuchungsquote liegt bei 1,4 % der in diesem Zeitraum geborenen Greyhounds.

Als „größte gesundheitliche Bedrohung für die Zucht“ sei gemäß der JTO aber die hereditäre Greyhound-Polyneuropathie anzusehen, die bisher nur bei Hunden aus Show-Linien nachgewiesen wurde. Daher empfiehlt der Club, nur Verpaarungen vorzunehmen, bei denen mindestens ein Elternteil nachweislich frei von Neuropathie ist, entweder durch Gentest oder durch nachgewiesenermaßen durch Abstammung von zwei freien Elterntieren. Deck- und Wurfmeldungen ohne Dokumentation des Neuropathie-Status‘ der Elterntiere werden vom Club nicht veröffentlicht.
Die „neue neurologische Erkrankung“ („Greyhound Hypersensitivity Syndrome“) wird hingegen mit keinem Wort erwähnt.

Bezüglich des Bewegungsapparats lenkt die JTO das Augenmerk auf Wirbelsäulenveränderungen:

„Bei Hunden mit Aufnahmen der Wirbelsäule wurden rückenbezogene Krankheiten festgestellt. Spinale Stenose zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Kreuzbein, die lumbosakrale Stenose, tritt bei dieser Rasse immer häufiger auf.“ Die „Berücksichtigung“ dieser Problematik bei der Zucht wird ausdrücklich empfohlen.

Auch auf Herzerkrankungen (insbesondere Dilatative Kardiomyopathie) wird im Rahmen der „anderen signifikanten Krankheiten und Defekte, die bei der Rasse festgestellt wurden“ eingegangen. Dort wird darauf hingewiesen, dass man erblich bedingte Herzerkrankungen anhand kombinierter Ultraschall- und EKG-Untersuchungen frühzeitig erkennen kann. Als Gesundheitsuntersuchung vor der Zucht wird für alle Zuchttiere ein Herzultraschall oder zumindest eine Herzauskultation empfohlen.

Außerdem wird die Augenuntersuchung aller Zuchttiere angeraten. Zusätzlich gilt: „Wenn in der Familie des Hundes andere erbliche oder vermutete Erbkrankheiten bekannt sind (z. B. Lebershunt, Katarakt) und durch eine Untersuchung festgestellt werden können, sollte nur ein gesundes Tier zur Zucht verwendet werden. In Ermangelung einer solchen Gesundheitsuntersuchung sollen Verpaarungen, bei denen in den Familien beider Elternteile dieselbe Krankheit auftritt, nicht vorgenommen werden.“

 

Äußeres Erscheinungsbild

Hinsichtlich des Exterieurs sieht die JTO die häufigsten Fehler in der Vorderhand verortet: Steile Schulter, zu aufrechte Vorderhand insgesamt, zu wenig Vorbrust. Das wirke sich auch auf den Bewegungsablauf der Hunde aus. Auch der rassetypische Verlauf der Oberlinie solle stärker beachtet werden – weder zu gerade, noch zu aufgezogen und mit korrektem Lendenschwung. Positiv gewertet wird, dass sich zunehmend mehr Rassevertreter innerhalb der im Standard postulierten Idealmaße bewegen. „Noch in den 1990er Jahren übertrafen fast alle Tiere die Idealgröße der Rasse.“ Anhand von Ausstellungsberichten könne man jedoch verfolgen, dass einige Zuchtrichter idealgroße Greyhounds für zu klein hielten. Hier lautet die Empfehlung: „…es sollte auf die ideale Größe geachtet werden, damit die Rasse nicht zu groß wird und die Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt.“

 

Maßnahmen zur Umsetzung

Um die Rasse Greyhound mit ihren ursprünglichen (Arbeits-)Eigenschaften zu erhalten, mehr Informationen zu bekommen und die aufgezeigten Problemfelder zu bekämpfen, ergreift der Greyhound Club eine Reihe von Maßnahmen:

  • Organisation einer jährlichen Clubshow mit Sonderklasse für Renn-Greyhounds
  • Organisation von Terminen für Reihenuntersuchungen (Augen & Herz)
  • Organisation von Coursing-Veranstaltungen
  • Möglichkeiten zur DNA-Probennahme bei Vereinsveranstaltungen
  • Finanzieller Zuschuss für Gesundheitsuntersuchungen
  • Veranstaltung von Züchtertagen
  • Fortbildungsangebote für Zuchtrichter
  • Durchführung von Gesundheitsumfragen
  • Auswertung eingereichter Resultate (Ausstellung, Gesundheitsuntersuchungen, Sportergebnisse)

Dazu gibt es einen detaillierten Aktionsplan bis einschließlich 2026. In dem Jahr wird die Revision der vorliegenden JTO vorgenommen und veröffentlicht werden.

 

Abschließende Betrachtung

Insgesamt ist das aktuelle „Zuchtzielprogramm“ für Greyhounds ein gut gelungener erster Wurf. Es weist zwei offensichtliche Schwächen auf:

  1. Das Werkzeug zur Bekämpfung des hohen Inzuchtgrades bzw. engen Genpools insbesondere bei den Greyhounds aus Showlinien wird vermutlich wenig effizient sein – hier wären möglicherweise moderne molekulargenetische Verfahrensweisen vielversprechender.
  2. Bei den relevanten Gesundheitsrisiken wird die „neue neurologische Erkrankung“ („Greyhound Hypersensitivity Syndrome“) überhaupt nicht berücksichtigt. Nach aktuellem Kenntnisstand könnte diese jedoch die viel größere Bedrohung für Greyhounds aus Show-Linien sein, da diese in den populären Show-Linien weit verbreitet zu sein scheint. Dieses Versäumnis mag darin begründet sein, dass diese JTO schon länger bearbeitet wurde und vor allem Datenmaterial der Jahrgänge 2010 – 2020 betrachtet wurde.

Dennoch bietet dieses Dokument eine wertvolle Standortbestimmung. Die allgemein zugänglichen, nach nachvollziehbar aufbereiteten Fakten nehme alle Greyhound-Züchter in die Verantwortung. Und bieten Welpen-Interessenten Anhaltspunkte, welche Fragen sie bei der Züchtersuche stellen sollten.

So etwas sollte es für jedes Land geben, in dem die Zucht von Greyhounds ernstgenommen wird!

Hier geht’s zur Original-Datei: https://jalostus.kennelliitto.fi/RotuPDF.ashx?R=158&T=2 

 

 

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