The Greyhound Show

29.10.2013

Greyhoundmeeting 2013

Filed under: Auf den Greyhound gekommen — admin @ 22:52

Am 26.10.2013 fand in Gelsenkirchen das diesjährige Greyhound-Meeting statt. Ohne dem offiziellen Protokoll und einer Veröffentlichung des einen oder anderen Vortrags vorgreifen zu wollen, hier ein paar persönliche Eindrücke. Zunächst einmal gebührt unserem Zuchtkommissionsmitglied Dr. Rita Bennemann Dank und Anerkennung für das tolle Programm.
Selten gab es solch ein interessantes, abwechslungs- und lehrreiches Meeting!

Nach den Zahlen, Daten Fakten der vergangenen Saison ging es gleich mit einem Vortrag von Christian Spies (PWC Animal Control) zur Vorgehensweise zum Nachweis von Doping bei Windhunden los. Er erläuterte kurz die Vorgehensweise bei Dopingkontrollen für den DWZRV, und meinte, dass die Anzahl der Stichproben eher zu gering sei und für eine umfassende Überwachung auch Trainingskontrollen notwendig seien. Zusätzlich sei es zwar jederzeit möglich, Verdachtsproben auf Veranstaltungen zu nehmen, dass dazu aber geschulte Begleiter notwendig seien, die es im Moment noch nicht gibt. An sich werden nur qualitative Ergebnisse (Fremdsubstanz gefunden ja/nein) weitergegeben, nur auf Nachfrage gibt es auch ein quantitatives Ergebnis (wieviel Fremdsusbtanz wurde gefunden). Die Bewertung und ggfs. Ahndung des Befundes obliegt ganz und gar dem auftraggebendem Verband. Hier vermisst Herr Spies nach eigenen Aussagen einen passenden Gegenpart für PWC auf DWZRV-Seite. Einem solchen würde auch die Aufgabe zufallen, Fragen der Mitglieder nach ggfs. dopingrelevanten Futtermitteln oder Medikamenten zu beantworten. Denn die für PWC im Rahmen der Doping-Kontrollen tätigen Tierärzte dürfen hierzu keinerlei Auskunft geben. Herr Spies verwies in diesem Zusammenhang auf den im Pferdesport viel genutzten „Anti-Doping-Katalog“, in dem Futtermittel, Ergänzungsfuttermittel & Pflegeprodukte aufgeführt und nach ihrer Dopingrelevanz vorgestellt werden. Dieser Katalog trägt sich allerdings durch kostenpflichtige Einträge seitens der Hersteller solcher Pferdeprodukte, die ein berechtigtes Interesse daran haben, dass ihre Produkte dort veröffentlicht werden – denn Dopingkontrollen sind in fast allen Bereichen des Pferdesports gang und gäbe. Hersteller von Heimtierzubehör werden dieses wirtschaftliche Interesse vermutlich nicht haben, da nur ein winziger Bruchteil ihrer Kunden Hunde in dopingrelevanten Sportarten führt. Da bleibt nur der Hinweis von Tony Gallagher auf den (inzwischen leider veralteten) Anhang des Buches „Care of the Racing Greyhound“. Herr Spies schloss damit, dass PWC seit Aufnahme der Tätigkeit für den DWZRV zwei relevante Fälle gehabt hätte, einmal sei tatsächlich eine entsprechende Substanz nachgewiesen worden, einmal habe der Halter die Beprobung verweigert.

Als nächstes stellte Familie Förster aus München die dramatische Krankheitsgeschichte ihrer Greyhündin „Suki“ aus Irland, geb. 9/2005, vor. 
Im Jahr 2011 hatte sie eine Katze gejagt und dabei einen Autounfall mit Unterarmbruch rechts erlitten, mit schweren Verletzungen im Brust-Bauchbereich. „Suki“ wurde operiert und der Bruch geplattet.
Nach zweieinhalb Monaten trat leider eine Infektion mit multiresistenten Keimen auf, so dass das Bein amputiert werden musste. Im Juni 2012 erschienen am Innenschenkel des rechten Hinterbeins Pusteln und Blasen. Der erste Tierarzt unterzog des Bein einer Laserbehandlung, was nur eine vorübergehende Besserung bewirkte.
 Ein neuer Tierarzt versuchte es mit Salben und Hautdesinfektionsmitteln, was ebenfalls keine Besserung brachte. Ein weiterer konsultierter Tierarzt hegte den Verdacht auf Herbstgrasmilben, seine Therapie brachte jedoch auch keine Besserung. 
Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Besitzer dann an Frau Dr. Bennemann gewandt, und um Rat gefragt. 
Der Besuch beim Dermatologen ergab einen Verdacht auf Furunkulose, was mit Antibiotika behandelt wurde. Die Biopsie von Haut und Knochen führte zum Befund „Bazilläre Angiomatose“, bekannt unter dem Namen „Katzenkratzkrankheit“ und ausgelöst durch das Bakterium „Bartonella henselae“. Vermutlich war dieses beim Kampf mit einer Katze übertragen worden. Normalerweise hätte die Behandlung in einer Amputation des betroffenen Beins bestanden, aber die Hündin hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch drei Beine. Daher wurde nun mit intensiver Laserbehandlung therapiert, was zu starken Gewebeeinblutungen mit massiver Schwellung des betroffenen Fußes führte. Nach zwei Wochen konnte die Blutung endlich gestoppt werden, nach vielen weiteren Tierarzt-Besuchen war die Haut endlich verheilt. Beim letzten Tierarzt-Besuch will dieser den Hund als geheilt entlassen, als ihn die Halterin auf dessen Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum aufmerksam macht. Es wurde ein Milzsarkom diagnostiziert und die Hündin umgehend eingeschläfert (04/2013). Es war ein sehr bewegender Vortrag, untermalt mit vielen Bildern (nichts für schwache Nerven), so dass viele Teilnehmer zum Taschentuch greifen mussten.
Nach der Mittagspause folgte der Vortrag von Dr. Reiner Beuing (TG-Verlag) zu den Möglichkeiten der züchterischen Bekämpfung von verkürzten Unterkiefern in der Hundezucht. Er legte dar, dass bei anderen Hunderassen eine genetische Komponente bei der Entstehung von Rückbissen angenommen werden kann. Für den Greyhound müssten diese Daten erst einmal erhoben und ausgewertet werden. Je nach Auftretenswahrscheinlichkeit und Leidensrelevanz gilt es anschliessend, den passenden Zuchtplan aufzustellen. Dieser kann vom Verbot der Zuchtverwendung betroffener Tiere über Auflagen auch für Geschwister betroffener Tiere bis hin zur Einbeziehung möglichst vieler Verwandter inklusive der Vorfahren und Nachkommen im Sinne einer Zuchtwertschätzung. Hier hat sich in der Tierzucht das Verfahren der Zuchtwertschätzung nach Dr. Beuing zum Erreichen eines Zuchtfortschritts sich als allen anderen Erfahrungen überlegen erwiesen hat. Dies nicht zuletzt deswegen, weil hier durch geschickte Zuchtlenkung vermieden werden könne, Trägertiere von der Weiterzucht auszuschließen und so den Genpool weiter einzuengen.
Der DWZRV steht aber noch ganz am Anfang eines solchen Prozesses, weder besteht aktuell eine entsprechend auswertbare Erfassung der Daten, auch eine Synchronisierung der Daten-Erfasser (in diesem Fall der Zuchtwarte) ist nicht gegeben. Zudem ist es gerade bei dem angesprochenen Problem „verkürzter Unterkiefer“ sehr schwierig, an aussagekräftige Daten zu kommen, da im DWZRV seit Jahren nur sehr wenige Greyhound-Würfe geboren werden.
Abschließend wies Dr. Beuing eindringlich darauf hin, dass jede züchterische Problembehebung absolute Transparenz hinsichtlich dieser Problematik voraussetze: „Alle Daten müssen allen zugänglich sein“. Der Hang zur Geheimniskrämerei sei in vielen deutschen Zuchtverbänden anzutreffen, aber alles andere als zielführend. Vor irgendwelchen konkreten Zuchtplänen und -maßnahmen müsse daher das Übereinkommen aller Züchter der Rasse stehen, einander helfen und gemeinsam etwas für die Rasse tun zu wollen.

Weiter ging es mit dem Vortrag von Tony Gallagher, einem aus Australien stammenden „Greyhound-Urgestein“, der zumindest Liebhabern von Renngreyhounds nicht mehr vorgestellt werden muss. Thema war „Was muss man über den Körperzustand seines Greyhounds vor und nach dem Rennen unbedingt wissen?“ Tony schickte der Demonstration am lebenden Objekt ein paar Grundlagen voraus: dass man seinen Hund stets gut beobachten und eigentlich nach jedem Spaziergang mal kurz durchchecken sollte. Wenn der Hund von der Bahn kommt, sollte man jedoch mit der Untersuchung mindestens eine Stunde abwarten, damit nicht die körpereigene Endorphinausschüttung eventuelle Schmerzzustände maskiere.
Dass man den eigenen Greyhound bei einem Rennen so objektiv wie einen fremden Hund beobachten sollte, um Veränderungen an dessen Bewegungsablauf so früh wie möglich zu erkennen. Aus eigener Erfahrung wisse er aber, dass dies einem sehr schwer falle ;-) Der Greyhound ist nach seiner Ansicht das konstanteste Lebewesen auf der Erde – er wird unter gleichen Bedingungen (Trainingszustand, Geläuf etc.) stets die gleich Leistung bringen (also die gleiche Zeit laufen), solange er körperlich unbeeinträchtigt ist. Ist dies nicht der Fall, sei es nicht zielführend, es darauf zu schieben, der Hund habe einen schlechten Tag gehabt und nicht nach der tatsächlichen Ursache zu suchen. Wenn man diesen Hund dann eine Woche später wieder auf die Bahn bringe, und er einen weiteren „schlechten Tag“ habe, könne es gut sein, dass man beim übernächsten Training den Hund mit einem gebrochenen Sprunggelenk nach Hause bringe. Ein verändertes Laufverhalten gebe schon einen Hinweis auf die Ursache. So weise z.B. das Abdriften in der Kurve in 90% der Fälle auf ein Problem in der Schulter hin. Die Schulter sei kaum für den Vortrieb verantwortlich, dafür aber um so wichtiger, um die eingeschlagene Richtung zu halten. Dann zeigte Tony Gallagher an verschiedenen Hunden, wie man an häufig betroffenen Stellen nach Problemen sucht. In der Vordergliedmaße am Triceps-Muskel, den man nach Wegschieben der Haut mit pumpenden Bewegungen steigender Intensität überprüft. Da Probleme in der Schulter beim Greyhound eigentlich immer mit welchen in der gegenüberliegenden Hintergliedmaße korrespondieren, sollte man diese immer gewissenhaft mit untersuchen. Hier sind v.a. die Adduktoren, allen voran der Pectineus-Muskel im Schenkeldreieck (groin), betroffen. Dies bestätigte sich auch an einem der untersuchten Whippets, einem Whippet-Rüden mit Track-Leg. Nach Tony gibt es drei Gründe für ein Track-Leg: ausdrehende Vorder- und Hintergliedmaßen als anatomische Gegebenheiten, ein Schulterproblem, dass zum Auswärtsführen den Vordergliedmaße führt sowie ein bereits vorhandenes Track-Leg mit Kallusbildung, welches durch die vorhandene Umfangsvermehrung immer wieder aufgeschürft wird.
An diesem Hund zeigte er auch einen kompletten Untersuchungsgang, bei dem auch die Beuge- und Streckfähigkeit der einzelnen Gelenke getestet wurden. Hier komme es nicht darauf an, jedes Gelenk „bis zum Anschlag“ zu beugen oder zu strecken, sondern zu überprüfen, ob die Beuge- bzw. Streckfähigkeit auf beiden Körperseiten gleich ausgeprägt sei. Dieser Vortrag stiess auf so großes Interesse im Publikum, dass im Nachgang noch der eine oder andere Teilnehmer seinen Hund von Tony Gallagher durchchecken liess.
Danach stand ein weiteres greyhoundspezifisches Gesundheitsproblem auf dem Programm. Dr. Rita Bennemann berichtete über die Keratitis superficalis chronica nach Überreiter – auch Schäferhund-Keratitis genannt. Diese chronische Hornhaut-Entzündung des Auges führt unbehandelt zur Erblindung des betroffenen Tieres. Sie tritt zunehmend häufiger insbesondere bei Renn-Greyhounds auf, eine genetische Disposition wird angenommen. Dies bestätigte auch Tony Gallagher, laut dessen Aussage dieses Problem bei australischen Rennhunde schon so häufig sei, dass der Wert für dopingrelevante Menge an Kortison (dem wichtigsten Medikament zur Behandlung der Krankheit) bei Profi-Rennen bereits angehoben wurde. Nachdem in den letzten Jahren zunehmend mehr Gene von australischen Renngreys Eingang in die europäische Zucht gefunden hätten, sei die fortschreitende Ausbreitung dort auch nicht verwunderlich. Die ersten Anzeichen für die Erkrankung ist eine Pigmentierung des weißen Teil des Auges (Sklera), beginnend am inneren Augenwinkel. Daraufhin erfolgt eine Einsprossung von Gefäßen über die Hornhaut und eine Eintrübung derselben durch Ödematisierung. Daher sollte man seinem Greyhound auch regelmäßig tief in die Augen schauen, um erste Anzeichen zu erkennen. Dann ist die Krankheit gut in Schach zu halten und eine Erblindung kann meist vermieden werden.
Damit war der Vortrags-Teil zu Ende, und es folgte die Diskussion über verschiedene Punkte. Die Entwicklung einer Strategie zur Erhaltung der Rasse Greyhound mit den zwei Zuchtlinien Show- und Rennhund in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Beratern und der DWZRV-Zuchtleitung sei seit dem letzten Meeting nicht vorangegangen, da der Posten des Zuchtleiters seit einiger Zeit unbesetzt sei. Frau Dr. Bennemann will sich aber bemühen, mit der neuen Zuchtleitung das Thema erneut nach vorne zu bringen.
Die Jahresausstellung 2014 wird in Darmstadt stattfinden, Richterin ist Beatrix Märki Casanova aus der Schweiz. 2015 ist Hildesheim der Veranstaltungsort, als Richterin wurde Dr. Rita Benneman mit großer Mehrheit des Meetings gewünscht. Weitere Richtervorschläge waren Felicity Thompson (Barnesmore, IRL) und Barbara Hannaford (vormals Wilton-Clark, Shalfleet, GB).
Auf Wunsch des letztjährigen Meetings hatte sich Frau Dr. Benneman nach alternativen Veranstaltungsorten für das Greyhound-Meeting 2014 umgehört, aber nur Zusagen von Rennvereinen in Hamburg und Hildesheim erhalten. Sachsenheim wäre auch dazu bereit, es ist aber unklar, ob dieser Rennverein nächsten Herbst noch besteht. Anfragen bei Hotels hätten unzumutbare Teilnehmergebühren ergeben. Daher wurde dem Wunsch nach Verlegung des nächsten Meetings in den Süden Deutschlands nicht entsprochen und der Großteil der Meeting-Teilnehmer sprach sich erneut für Gelsenkirchen aus.
Nach den Schlussworten des Zuchtkommissionsmitglieds machten sich viele Teilnehmer auf den Heimweg, etliche liessen sich aber das ausgezeichnete Buffet munden und den Tag bei angeregten Gesprächen ausklingen – und man soll sogar Liebhaber der Renn- und Showlinien beieinander sitzen und miteinander lachen gesehen haben :-)

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