The Greyhound Show

10.10.2012

„Hundeausstellungen und Hintergründe“…

Filed under: Allgemeines,Ausstellungen — admin @ 20:43

…lautet der verheißungsvolle Titel eines Aufsatzes von Ludwig Küper. Bei diesem Titel muss man vermuten, dass der Autor umfangreiche Erfahrungen auf internationalem Ausstellungsparkett gesammelt hat und selbst jahrzehntelang als Richter verschiedenster Hunderassen im In- und Ausland fungierte. Aber weit gefehlt – der Autor betrachtete „Ausstellungen früher eher als notwendiges Übel“ und seine Betrachtungen gründen sich auf Erfahrungen, die er im Laufe der Jahre hat sammeln können „als Mitzüchter von Whippets, als Zuschauer bei Ausstellungen, einige Male als Aussteller, als Ringordner und als Sonderleiter, aber auch als aktives Mitglied in einem Windhundrennverein.“ Aha.

Es wird ein kurzer Abriss über die Entstehung von Hundeausstellungen und Rassestandards gegeben und darauf hingewiesen, dass viele Standards einen Hund beschreiben, der seine ursprüngliche Aufgabe bestmöglich erfüllen kann. So weit, so gut.
Dann versteigt sich Herr Küper aber zu abenteuerlichen Schlussfolgerungen: da die meisten Rassen heutzutage nur „eine Form des Luxus darstellen“ und ihrer ursprünglichen Arbeit gar nicht mehr nachgehen (dürften), seien diese Standards als Zuchtziel obsolet. Vielmehr gelte es, den Hunden ein passende Ersatzbeschäftigung anzubieten. Und da der Autor sich besonders gut mit Whippets auskennt, nennt er für Windhunde die Rennbahn als adäquate neue Beschäftigung (über das Coursing mag er sich nicht äußern).
Und jetzt wird es gefährlich!
Da aber bei Windhundrennen etwas andere Anforderungen gestellt werden als bei einer echten Hetzjagd, ändert sich auch zwangsläufig bei erfolgreichen Rennhunden die Anatomie im Vergleich zu den Hunden, die vor langer Zeit eine dem Standard entsprechende Arbeit ausgeführt haben.“ Richtig erkannt. Aber lesen wir weiter:

….Ein Beharren auf der Zucht von Whippets als imaginäre Kaninchenjäger im Sinne des Standards führt dazu, dass Hunde für eine Arbeit gezüchtet werden, die sie nicht ausführen dürfen, und auf der anderen Seite eine Arbeit, die man ihnen als Ersatz anbieten kann, nicht erfolgreich ausführen können.

Und weiter vorne:
So ist es zum Beispiel völlig unsinnig, darauf zu beharren, dass Whippets vor langer Zeit und ursprünglich als Kaninchenjäger Verwendung fanden. Die Hetzjagd ist hierzulande seit gut 200 Jahren verboten. Wer Whippets als Kaninchenjäger nutzt, macht sich als Wilderer strafbar. So verhält es sich mit allen Windhundrassen, ganz abgesehen davon, dass es in Europa z. B. gar keine Gazellen gibt oder jemals gab, die von arabischen Windhunden gejagt werden könnten. Was sollte es also für einen sachlichen Grund geben, Hunde für eine solche verbotene oder gar unmögliche Funktion zu erhalten?

Aus diesen Passagen kann man nur zwei Schlußfolgerungen ziehen: entweder die Zucht vieler „arbeitsloser Hunderassen“ einzustellen oder aber z.B. alle Windhund-Rassen nur noch einseitig für den erfolgreichen Einsatz auf der Rennbahn zu selektieren, da dies anscheinend das einzig wahre neue Zuchtziel sein kann.
Also einander ähnelnde Rennmaschinen mit gleichem Interieur, bei denen sich lediglich Größe und „Verpackung“ geringfügig unterscheiden? Nein Danke.

Im weiteren Verlauf des Aufsatzes wird dann die leistungsorientierte Zucht als einzig sinnvolle Form der Hundezucht propagiert, und mehrfach dargestellt, dass Ausstellungen Hunde hervorbringen, die dieser Idee diametral entgegen stehen:
Da aber – wie bereits gezeigt – Show und Arbeit sich nur bedingt miteinander vertragen, sind Showhunde zunehmend weniger in der Lage, anstrengende Arbeiten zu vollbringen, selbst wenn sie noch nicht allzu deformiert sind.

Mit „wie bereits gezeigt“ bezieht er sich vermutlich auf dieses vorher genannte Beispiel:
Zu einem Training auf dem Gelände eines Rennvereins hatte sich ein erfolgreicher Züchter von Showgreyhounds verirrt. Es waren also Hunde, denen bei Ausstellungen regelmäßig ein korrektes Gangwerk bescheinigt wird. Die Hunde rannten hinter dem Lockmittel her, aber es war ein trauriges Bild zu sehen, wie die Hunde zwar wollten, aber nicht so konnten, wie sie wollten. Anstatt eines raumgreifenden Galopps sah es eher so aus, als wollten sie sich bei jedem Sprung mit den Hinterläufen unter dem Brustkorb kratzen.

Nun wissen wir nicht, welche Hunde welches Züchters sich da angeblich so unfunktional präsentierten –  einen solchen Laufstil habe ich in den letzten zehn Jahren aber noch nie bei Showgreyhounds gesehen. Weder auf der Rennbahn, noch beim Coursing, und erst recht nicht bei der Jagd auf lebendes Wild.

Zurück zu der Frage, ob Windhundzucht die Bewahrung von Kulturgut bleiben solle. Ich meine: ja! Ich liebe meine Greyhounds, weil sie wie Greyhounds aussehen und sich wie Greyhounds verhalten (…und Hasen fangen können), meinen Whippet, weil er wie ein Whippet aussieht und sich wie einer verhält (…und Kaninchen fangen kann) und meine Hovawarte, weil sie wie Hovis aussahen und agierten (…wenn sie Haus und Hof bewachen). Ich möchte zukünftig keinen „Einheitswindhund Größe S, M oder L, Fellausführung kurz-, rau- oder langhaarig“ kaufen müssen.

Bei der Bewahrung dieser Charakteristika sind die Exterieur-Beurteilungen auf Ausstellungen nur ein Baustein zur Erreichung des Gesamtbildes. Nicht wie Herr Küper meint: „Ausstellungen sind der Ort, an dem wie nirgends sonst darüber entschieden wird, welche Hunde in der Zucht Verwendung finden.“ Wer nach dieser Prämisse handelt, hat seinen „Job“ als Züchter eindeutig verfehlt. Sechs, setzen.

Barbara Thiel, www.greyhoundshow.de
sternchen_rufus_renntraining.jpg
Zwei Showgreyhounds beim Renntraining, aufgenommen von Dunja Stähler beim WDE Stolberg

11 Comments »

  1. Danke für diese durchdachte und konstruktive Stellungnahme !

    Kommentar von Patricia George — 11.10.2012 @ 09:54

  2. Danke Barbara für diese Stellungnahme. Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen.

    Kommentar von Natascha — 11.10.2012 @ 11:16

  3. Sehr schön Barbara, es war mir ehrlich zu viel dazu was zu schreiben, da vieles an den Haaren beigezogen war, immer wieder die „alten“ und unsinningen Vergleiche – diesesmal niedergeschrieben – da hat es wohl mehr Wirkung….
    …in sich selbst bestätigende Monologe….ich bin es wirklich leid von diese „Windhundrettern“ weiter zu lesen – diese Stadlers und Walldorfs der Windhundszene – immer diese schwarz-weiß, immer diese „Showhunde sind fett, haben keine Muskeln und können nicht rennen“ – macht halt mal die Augen auf, hier in Deutschland ist es um die Windhund Welt nicht schlecht bestellt, Whippets müssen nicht hässlich sein um ihre Arbeit (wie Rennen, dafür sind die gezüchtet???) – zu machen.
    Nochmals Danke Barbara

    Kommentar von Susanne — 11.10.2012 @ 13:13

  4. So prägnant und treffsicher hätte ich es nicht formulieren können. Danke für diese Stellungnahme, Barbara!

    Kommentar von Ingrid — 11.10.2012 @ 14:18

  5. Nein, ich kann mich dem nicht anschließen, weil das Wesentliche hier blauäugig und recht überheblich ausgeklammert wird. Barbara schreibt: „Bei der Bewahrung dieser Charakteristika sind die Exterieur-Beurteilungen auf Ausstellungen nur ein Baustein zur Erreichung des Gesamtbildes. Nicht wie Herr Küper meint: “Ausstellungen sind der Ort, an dem wie nirgends sonst darüber entschieden wird, welche Hunde in der Zucht Verwendung finden.” Wer nach dieser Prämisse handelt, hat seinen “Job” als Züchter eindeutig verfehlt.“

    So richtig das sein mag, so gilt es aber nicht für den Züchter, sondern nur für eine kleine verschwindende Anzahl von Züchtern. Und mit denen gibt es ja auch kein Problem, weil sie wissen, was sie tun. Aber es geht genau um die Ausstellungen, die die Orte sind, an denen entscheiden wird, welche Hunde in die Zucht gehen! Wer ist denn hier blind? Heute wird doch Hundezucht nicht mehr im Kopf, sondern auf den Plattformen betrieben, die da heißen Showring und facebook (die paar „Rennspinner“ ;-) nimmt doch eh keiner ernst – INTERNATIONAL gesehen. Und international, dass wollen wir doch alle sein, denn was gilt schon der Winner im eigenen Land, wo wir doch so global denken.

    Wo werden denn die vermeintlichen „Stars“ geboren, wenn nicht durch die Richter. Diese Stars bestimmen dann die Szene, weil sie promotet und bejubelt werden und alles läuft ihnen mit lechzender Zunge hinterher. Wer will denn nicht mit diesem oder jenem „Starnamen“ bekannt sein, sich sonnen in dem Ruhm und gleichzeitig eine vermeintliche Aufwertung seines eigenen Zwingernamens erreichen? Darum geht es doch nur noch! Und die Züchter haben ja auch keine Zeit mehr, denn sie müssen ja ihre vermeintlichen Showstars der Welt zeigen, selbst wenn sie gerade mal 3 Wochen alt sind werden sie im showstack vorgeführt. Welche geringe Bedeutung der Showring hat, sehen wir daran, nicht wahr?

    Kommentar von Marianne — 11.10.2012 @ 17:43

  6. Marianne, und was schlägst Du als Lösung dieses scheinbaren Dilemmas vor? Soweit ich weiß, ist auch von Deinen Zuchthunden keiner auf der Rennbahn aktiv, und so, wie ich Dich kennengelernt habe, möchtest Du auch keine Hunde mit der Arbeit auf der Rennbahn angepasster Anatomie züchten. Oder habe ich da was verpasst?
    Ich denke, hier wird Ursache und Wirkung vertauscht. Das Ausstellungswesen an sich ist nicht schuld, sondern jeder einzelne Züchter, der seinen eigenen Kopf gegen die „Plattformen“ oder den Geschmack der Rasse eintauscht. Sollen die Richter dann die aus ihrer Sicht weniger standardgerechten, dafür aber vielleicht „rennbahntauglicheren“ Hunde regelmäßig nach vorne stellen, damit mit diesen auch gezüchtet wird? Die Verantwortung für die Auswahl der Zuchtpartner trägt der Windhundzüchter ganz allein (das ist in anderen Rassen anders). Und wenn ganz viele zum aktuellen Shootingstar der Rasse laufen, muss das ja nicht jeder nachmachen. Was viele tun, ist doch nicht zwangsläufig das Richtige. Millionen Menschen haben seinerzeit die Platten von David Hasselhoff gekauft – was ihn aber trotzdem nicht zu einem musikalischen Genie macht ;-)

    Kommentar von Barbara Thiel — 11.10.2012 @ 20:04

  7. „Stars werden nicht geboren, sondern gemacht“ – das war schon immer so, nur heute sind die Plattformen viel breiter. Ob es jetzt „Showstars“ oder zukünftige „Superrenner“ sind, tut nichts zur Sache. Manche Besitzer/Züchter präsentieren sich gerne auf dem Tablett, andere halten das für verzichtbar.

    Ich bin nicht dahintergekommen, was das Wesentliche an Ludwig Küpers Abhandlung sein soll.
    – im Ausstellungswesen läuft vieles schief (ist das im Sportwesen so anders???)
    – Aussteller sind überehrgeizige Egomanen (gibt es derlei Auswüchse nicht auch im Rennsport?)
    – Leistungshunde sind gesünder (als was? Als Möpse, Bulldoggen, andere Hunde derselben Rasse? Das ist zwar eine gern gedroschene Stammtischparole, entbehrt bei näherer Betrachtung leider jeglicher Grundlage – bei den Windhundrassen hält sich der Gesundheitsstatus so ziemlich die Waage. Die Gesundheitsprobleme sind bei „Show“ und „Rennen“ nicht immer dieselben, aber in der Häufigkeit etwa gleich)

    oder doch eine andere Kernaussage, die ich in dem ganzen Wust überlesen haben sollte?

    Letztendlich ist es nur ein Hobby, und jeder kann sich das raussuchen, was ihm mehr zusagt. Leistungszucht hat keine größere Berechtigung als Showzucht, für den Lauf der Welt ist es nämlich genau gleich unerheblich, ob Lieschen Müller den weltschönsten oder Max Mustermann den weltschnellsten Köter an der Leine hat

    Kommentar von Barbara — 11.10.2012 @ 20:24

  8. Es gibt m.E. kein zurück aus dem Dilemma. Für mich persönlich sind Windhundrennen also Bahnrennen keine wirkliche Leistungsprüfung, weil Bahnrennen nichts mit der „Arbeit“ zu tun hat. Das habe ich ja oft genug begründet. Es geht doch auch nicht darum, dass nun alle Windhunde auf die Rennbahn gebracht werden sollen, wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, sondern es verdeutlicht doch nur, welche dramatische Entwicklung Rassen nehmen, die ausschließlich aufgrund des Richterurteils und Showerfolgs zur Zucht ausgewählt werden. Es geht m.E. darum, dass wir nicht zu Windhunden gelangen, die ihre Beine nirgendwoanders mehr bewegen dürfen und können als im Ausstellungsring! Dass der Ausstellungsring DAS Kriterium für die Zuchtauswahl bildet, wie es mit steigender Tendenz zu verzeichnen ist, das ist zu kritisieren. Dass durch die vermehrte Attraktivität der Ausstellungen als reine Shows eben auch Zuchtrichter mehr und mehr entstehen, die sich eben vom Wesentlichen entfernen und die Showattribute zwangsläufig höher bewerten und auch gar nicht mehr anders können, weil sie es ja so gelernt haben und auch gar nicht anders kennen und wollen. Und all die Züchter, die eben auch nicht anderes mehr kennen als das Züchten auf Showattribute, die logischerweise für diese Richter dann auch züchten. Das ist dann das Züchten für die Richter, weil alles andere ja keinen „Erfolg“ hat. Das „Hobby“ ist insofern kein Hobby, weil es um Absatz geht und wer oben mitspielen will, der beugt sich eben. Womit wird denn vermehrt geworben, wenn nicht mit vermeintlich „großen Erfolgen“ und dem Anbiedern an „derzeit angesagte Namen“.

    Aber damit vielleicht der eine oder andere seine „Motivation“ hinterfragt, denke ich, werden hier und da Abhandlungen geschrieben und darüber sollte man einfach nachdenken. Küper hat sich m.E. gequält, auch Verwirrendes geschrieben, jedoch gab er etliche Beispiele und Aussagen eben von Richtern selbst geäußert, die dafür herhalten, was alles am Showsystem krankt. Lippenbekenntnisse vs Existenzrecht von Ausstellungen. Die Details kann man doch vernachlässigen, was letzten Endes zählt, ist doch die Aussage, dass die exzessive Ausrichtung auf Showerfolge die Rassen ruinieren. Will sagen: Dass darüber sehr wohl geschrieben werden sollte, damit die Wertigkeit von Shows heruntergerissen wird von dem hohen Sockel der züchterischen „Leitkultur“.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auf diesen Artikel Rosettes to ruin verweisen: http://www.terrierman.com/rosettestoruin.htm

    Kommentar von Marianne — 12.10.2012 @ 08:47

  9. @Frau Thiel:
    An keiner Stelle habe ich geschrieben, dass Rennen die einzige Form einer adäquaten Betätigung für Windhunde sind. Das habe ich deshalb nicht geschrieben, weil es falsch wäre. Ich habe es mit den Worten „Z.B. eben Windhundrennen“ als ein Beispiel genannt. Dass ich nicht auf Coursings eingegangen bin, habe ich sachlich damit begründet, dass meine Abhandlung nicht der Ort für eine eingehende Darstellung ist. Ich finde durchaus, dass es an Coursings etwas zu kritisieren gibt. Aber mein Thema war nicht Windhundausstellungen, sondern Hundeausstellungen, und für Menschen, die mit Windhunden nichts zu tun haben, wäre eine Cousingkritik wohl unverständlich. Davon ab habe ich keine prinzipielle Kritik an Coursings, sondern finde sie als Tätigkeit an sich für Windhunde durchaus adäquat. Deshalb haben wir auch schon an welchen teilgenommen.

    Warum Sie eine Zwangsläufigkeit darin sehen, dass Hunde, die eine Arbeit verrichten können, extrem häßlich werden, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist doch überhaupt nicht die Alternative.

    Dass es bei Rennen Kritikables gibt, widerlegt meine Abhandlung genauso wenig wie die Feststellung, dass Rappen schwarz sind, dadurch widerlegt wird, dass Schimmel auch nicht grün sind. Mein Thema ist Hundeausstellungen und ihre Folgen für Hunde. Die Kernaussage ist deshalb auch nicht, dass Hunderennen das Größte überhaupt sind, sondern dass Hundeausstellungen Selbstzweck und deshalb zwangsläufig auf Dauer nichts Gutes für die Hunde sind. Bei allem, was Selbstzweck ist, kommt es zu Exzessen. Immer und unausweichlich.

    Da Sie Möpse und Bulldoggen erwähnen, vermute ich, dass Sie im Prinzip schon verstanden haben, worauf ich hinaus will. Die hätten sicherlich deutlich weniger Probleme, wenn sie vor Zuchteinsatz die Fähigkeit zu einer Tätigkeit nachweisen müssten, die sie nur erfüllen könnten, wenn sie keine Bollerschädel und keine krummen Beine, aber dafür freie Atemwege hätten. Das müssen keine Extrembelastungen sein. Deswegen habe ich auch geschrieben, dass Hunde eine Arbeit zufrieden stellend bzw. ausreichend verrichten können sollen. Das ist eine Minimalanforderung. Eine rassegerechte Arbeit ist sicher kein Allheilmittel. Deswegen habe ich das auch nirgendwo behauptet. Aber ein paar Probleme weniger wäre doch für manche Rassen sicher schon ein Riesenfortschritt. Bei Windhunden besteht in Deutschland die Möglichkeit, solchen Problemen vorzubeugen. Und ob sie nun rennen oder coursen, ist mir da ziemlich schnuppe. Ich habe gerüchteweise vernommen, dass es Whippets mit HD geben soll. Ich kenne zwar keinen, aber ich vermute mal sehr stark, dass die aus reinen Showlinien stammen.

    Wenn Sie nicht nur das heraus gelesen hätten, was Sie gerade brauchten, um es dann auch noch umzuinterpretieren, hätten Sie auch lesen können, dass ich nichts gegen Ausstellungen habe, sondern sie als durchaus sinnvolle Ergänzung betrachte. Wenn sie fit sind, dürfen sie auch schön sein. Aber bitte in dieser Reihenfolge.

    Kommentar von Ludwig Küper — 13.10.2012 @ 17:17

  10. Die Frage ist, ob man – will man die Bedingungen des Dilemmas nicht hinterfragen – ob man also diese Mengen Windhunde halten und züchten soll, wenn denn die Show-Freunde auf ihren optisch beurteilten Jagdfähigkeiten ihrer Hunde bestehen und die Renn-Enthusiasten im Standard den Untergang der Konkurrenzfähigkeit auf der Bahn erkennen.

    Ja – das ist ein Dilemma. Schließlich wollen wir ja diese und genau diese Hunde halten.
    Dem Dilemma,
    habe ich mir in den 90ern sagen lassen,
    sei am besten bei zu kommen, indem man mindestens noch eine zusätzliche Alternative hinzu findet.

    Also fangen wir doch mal an – ganz fiktiv bitte:
    • Man könnte Kaninchen züchten in riesigen Mengen und die Hetzjagd wieder erlauben – die Hunde fänden das toll…
    • Man könnte auch wie oben schon angedeutet statt Windhunden Möpse halten, wenn man keinen Jagdhund sondern einen Sozialbegleiter in einer sinnentleerten Gegenwart sucht.
    • Man könnte Renn- und Show-Linien in zwei unterschiedliche Rassen aufteilen.
    • Man könnte jegliche Hunde-Rassezucht reglementieren und wie in der Nutztierhaltung festlegen, welche Hunde im Rahmen der optischen wie sportlichen Leistungskriterien zur Fortpflanzung genehmigt werden können.
    • Man könnte jegliche Form von Geldaustausch im Bereich der Hundezucht verbieten.
    • Man könnte….

    Jeder kann gerne weitere Alternativen anfügen; sie sind ja nicht dazu gedacht 1:1 umgesetzt zu werden, sondern gedankliche Freiräume zu schaffen, um aus dem Dilema einen sinnbringenden Ausweg zu finden.
    Denn de facto sind wir in dem Dilemma, weil es große Interessen gibt an den bestehenden Verhältnissen. Finanzielle Erwägungen, Stolz auf die eigenen Linien, Unvermögen oder auch nur Widerwillen anderen Gedanken Raum zuzugestehen als den eigenen weil man sich identifiziert hat mit dem eigenen Lebenswerk, individuelle Vorlieben (soll vorkommen..) etc.

    Einen Einheitswindhund oder gar Einheitshund wollen nur die, denen die Vielfalt zu anstrengend ist.
    Einen Standard wird man brauchen, solange man Ausstellungen abhalten möchte – und da gibt es doch eine große Zahl Interessierter.
    So wie man ein Rennreglement braucht, will man ernsthafte Konkurrenzen (egal ob auf der Bahn oder auf der Wiese) abhalten.

    Ist aber der Standard nicht in der Lage, die real vom einzelnen Hund geforderte Leistung in die Bewertung seiner Form miteinzubeziehen, darf schon nachgefragt werden, ob und wie sich das ändern läßt. Schließlich ist es uns erklärtes Ziel den Tierschutz in die Verfassung zu integrieren gewesen und da steht der jetzt. D.h. ein Standard hat – ob es uns nun gefällt oder nicht – dem Rechnung zu tragen, den Tieren vermeidbare Probleme zu ersparen.

    Ich bleibe mit meinem Versuch einen ersten Gedankenansatz zur Lösung des Dilemma beizutragen beim Greyhound:
    Wäre es denn denkbar, den einzelnen Hund im Ring je nach seiner vom Aussteller angegebenen Verwendung auf die dafür notwendige Anatomie hin zu bewerten? Also von einem Bahn-Hund (um das mal salopp zu formulieren) die entsprechend längeren Beine aber steilere Hinterhandwinkelung zu fordern für eine gute Bewertung und an einen Show-Hund Qualitätsmaßstäbe in Richtung Jagd-/Coursing-tauglicher anatomischer Besonderheiten anzulegen? Denn – bei aller Liebe zum Idealbild des Richters (das der schon weil er ein Mensch ist zwangsläufig haben wird) – sollte der eigenen Geschmack nicht zugunsten einer „höheren“ Idee bei der Bewertung in den Hintergrund treten?

    Sicher – das ist unrealistisch. Das würde ja bedeuten, daß man neutral sein müßte als Richter. So ist das aber mit Idealvorstellungen – sie werden immer und immer wieder von der schnöden Wirklichkeit eingeholt. Ab und an blitzt ein Funkeln hier und da auf, das einen wenigstens daran erinnert, was das Ideal wäre. Erreicht wird es so selten, daß es ein Ideal bleibt. Und es sind Sternstunden im Leben, wenn wir einen realen Blick erhaschen können auf das, was wir Zeit Lebens als Idealbild nur vor dem geistigen Auge haben.
    Derweil leben wir mit den Hunden, die wir gezüchtet, gekauft, gerettet, gefunden oder auch geschenkt bekommen haben. Und wenn sie uns nicht trotz allem irgendwie auch ideal vor kommen, machen wir bei aller Liebe etwas ganz wesentliches falsch.

    Ich verstehe wohl die Auseinandersetzung – ein Wenig geht mir aber der Blick fürs Ganze ab, wenn man tatsächlich glaubt, man könne die Wirklichkeit auf ein Ideal (welches auch immer das sein mag) reduzieren.

    Herr Küper
    zu „Daraus folgt, dass ohne einen konkreten Maßnahmenkatalog, der es den Behörden ermöglicht, Qualzuchten erfolgreich zu unterbinden, weiterhin Hunde mit Erbkrankheiten gezüchtet werden können.“ (Steinfeldt S. 101)“
    Selbstverständlich können auch kranke Hunde gezüchtet werden, da de facto jeder mit jedem x-beliebigen Hund züchten kann. Hundezucht (auch die von Rassehunden) ist kein Privileg.
    Solange eine spezielle Qualzuchtverpaarung nicht als solche angezeigt wird und dann zumindest Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann, passiert gar nichts.
    Es wird Aufgabe der Rassehundezüchter sein, ihre so oft beschworenen eigenen Qualitäten zu beweisen, sollen diese erhalten bleiben.
    und
    – „die kleinen Fehler“ die nicht gesehen werden sind denke ich zwar schlecht, aber für den Genpool nicht das wirkliche Problem. Das Problem sind die ganz offensichtlichen großen Fehler, die wir in Gesamtheit leider so lieben: die Übertreibungen. Die werden nicht versteckt sondern ganz im Gegenteil von Ausstellern, Käufern und Richtern gleichermaßen extrem gut bewertet. Und meistens sind sie auch nicht klein, sondern deutlich und plakativ.
    Das ist allerdings leider bei vielen Rassen mittlerweile tierschutzrelevant.

    Ach – und wenn schon oben ein Foto von Show-Greys beim Renntraining uns die Leistungsfähigkeit der Hunde dokumentiert – gibt`s auch Zeiten? ;-)) Es ist doch hoffentlich nicht schon eine Schande, wenn ein Greyhound auch wirklich ist, was man ihm nachsagt: schnell.

    (Da sehe ich im Übrigen einen ganz wichtigen Punkt wenn es ernsthaft darum gehen sollte, tatsächlich Lösungswege für die Zukunft zu entwickeln: die Herangehensweise an das Thema ist wie auch sonst das Zusammenleben mit unseren Hunden beim leistungsorientierten Züchter/Halter deutlich vom Gedanken der Leistung geprägt. Der gesamte Text von Herrn Küper setzt diese Leistungsbereitschaft und das Interesse daran voraus. Korrekt aus seiner Sicht – aber doch ziemlich anders schon im Denken, als das von Show-Hunde Enthusiasten. Das nur ganz wertfrei als Beobachtung am Rande)

    Kommentar von Moni — 24.10.2012 @ 04:53

  11. Herr Küper : „Mein Thema ist Hundeausstellungen und ihre Folgen für Hunde. Die Kernaussage ist deshalb auch nicht, dass Hunderennen das Größte überhaupt sind, sondern dass Hundeausstellungen Selbstzweck und deshalb zwangsläufig auf Dauer nichts Gutes für die Hunde sind. Bei allem, was Selbstzweck ist, kommt es zu Exzessen. Immer und unausweichlich.“

    Ich stelle nun schon seit über 15 Jahren Whippets und andere Rassen aus. Das „immer und unausweichlich“ kann ich so nicht bestätigen und denke, daraus spricht jede Menge Zorn gepaart mit Vorurteilen gegen Ausstellungen.
    Natürlich begegnet man auch den Exzessen, vor allem auf den großen Titelausstellungen im internationalen Bereich.
    Aber auf den meisten nationalen Ausstellungen in verschiedenen Ländern begegnet man ganz normalen Whippetbesitzern-und züchtern, die ihre Hunde als Familienmitglied betrachten und keine „Models“ züchten. Da wird in den Gesprächen vor den Zelten von Ausstellungen, Coursings, Rennen, Freiläufen und Urlauben mit den Hunden gesprochen und man kann sehen, daß die Mehrzahl der Whippets immer noch vielseitig eingesetzt wird und nicht zu reinen Showpüppchen mutiert.
    Auch die Käufer interessieren sich meistens gar nicht für Ausstellungserfolge der Eltern, sondern fragen nach Charakter und Wesen und Auslastungsmöglichkeiten der zukünftigen Familienhunde.

    Hundeausstellungen gibt es, seit es Rassehundezucht gibt, und nicht sie schaden den Hunden, sondern die Gefahr, daß die Masse der Züchter plötzlich ein neues Bild der Rasse vor Augen hat, wie z.B. bei Bulldoggen oder Pekingesen. Diese Gefahr sehe ich bei Whippets bisher nicht, da unsere Rasse immer noch auch für ihre Sportlichkeit geliebt wird, sogar von den meisten „schädlichen“ Ausstellern !

    Kommentar von Ulrike — 1.11.2012 @ 11:16

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