The Greyhound Show

24.3.2012

The Revenge of the Greyhound

Filed under: Auf den Greyhound gekommen,Literaturtip — admin @ 09:38

revenge_greyhound1.jpg

Die Rache des Greyhounds
aus „The Gazehound“ (Sept-Oct 1975) , von Robert M. Stewart aus Quebec, Canada.
Nachgedruckt im März-Newsletter des „Sighthound Review“

Während ich Nachforschungen zur Geschichte der Rasse anstellte, stieß ich auf einen Stich eines Greyhounds, der mit einem Mann kämpft. Der Druck war von einem Holzschnitt aus dem Jahr 1371, und die Übersetzung aus dem Französischen gab nur wenig Auskunft über die makabre Szene:
„Der Kampf eines Hundes gegen einen Gentleman, der seinen Herrn getötet hatte, abgehalten in Montargis. Unter der Herrschaft von Charles V, 1371.“ Erst ein Jahr später fand ich ein sehr altes Buch in einem Second-Hand-Buchladen, das das schaurige Ausmaß dieser Geschichte ans Licht brachte:

Viele junge Adelige des Hofs von Charles V. versuchten vergebens, die Hand der wunderschönen Isabelle (Schloßherrin von Villemomble) zu gewinnen. Allen Vorstößen war mit Ablehnung begegnet worden, was das Feld der Bewerber verkleinerte, bis nur noch ein Soldat der königlichen Bogenschützen namens Aubrey de Montididier übrig war. Unter den zurückgewiesenen Verehrern war ein gewisser Ritter Macaire, ebenfalls von den königlichen Bogenschützen, der öffentlich den jungen Aubrey für die Verachtung verantwortlich machte, mit der ihn das Fräulein Isabelle zurückgewiesen hatte.
Aubrey und sein Greyhound begleiteten Fräulein Isabelle auf langen Spaziergängen durch die Parks und Wälder rund um das Herrenhaus von Villemomble. In einer Wolke des Glücks sprachen sie über ihre gemeinsame Zukunft, und Aubrey machte Pläne, den König um sein Einverständnis zur Hochzeit mit der reizenden Schlossherrin zu bitten.
Gerade als Aubrey nach Paris aufbrechen wollte, hatte Isabelle eine Vorahnung drohenden Unheils und warnte ihn, sich vor dem Ritter Macaire in Acht zu nehmen. Aubrey tat die Warnung mit einem Lachen ab, überzeugt, dass er diesem in jedem Wettkampf mehr als gewachsen wäre. Bei seinem Abschied leckte sein Greyhound Isabelles Hand, und sie erteilte ihm den Auftrag, auf seinen Herrn aufzupassen und ihn vor Unglück zu beschützen.
Kurze Zeit später gallopierte Aubrey durch den Wald von Bondy und erfreute sich an den Possen seines hin- und her springenden Greyhounds. Der Hund blieb plötzlich stehen, als ob er irgendetwas im Dickicht gewittert habe. Aubrey hielt an um zu sehen, was die Aufmerksamkeit des Hundes erregt hatte. Auf einmal drehte sich der Greyhound um und stürmte auf seinen Herrn zu und Aubrey, der die Bedeutung dieses Verhaltens nicht erkannte, wurde von dem Attentäter überrascht, der sich an ihn angeschlichen und Aubrey tödlich mit einem Dolch verwundet hatte, bevor der Hund eingreifen konnte. Wütend warf sich der Greyhound auf den Ritter Macaire, aber der Mann überwältigte den Hund und warf ihn – weil er dachte, er sei tot – in einen Bach, und begrub den Leichnam Aubreys de Montididier, um jede Spur der Verbrechens zu beseitigen.
Der Hund erlangte das Bewusstsein zurück und folgte dem Geruch zum Grab seines Herrn, wo er sich hinsetzte und seinen Verlust beklagte, zweifach schwer, weil der Hund versagt hatte, als sein Herr ihn am meisten gebraucht hatte. Endlich kehrte er zu Isabelle zurück, die sofort erkannte, dass der Greyhound ein Bote des Todes war. Sie folgte ihm und entdeckte das Grab ihres Verlobten, dessen Wunden keinen Zweifel an seiner Todesursache ließen.
Der Leichnam wurde ins Schloss gebracht, und Isabelle reiste nach Paris ab, begleitet von Aubreys Greyhound. Der Hund war sehr in sich gekehrt und folgte Isabelle leise auf ihren Spaziergängen durch die Straßen von Paris, bis er eines Tages Macaire inmitten eines Bogenschützen-Regiments erblickte. Wütend bellend stürzte er sich auf Macaire, bis die anderen Soldaten ihn lange genug abwehren konnten, dass dem Attentäter die Flucht vom Platz gelang. Isabelle wußte nun, wer der Mörder war und ging zum König, um ihren Fall vorzutragen.
Der König befahlt Macaire, sich in einer Gruppe von Leuten aufzustellen und ließ den Hund in den Raum bringen. Der Greyhound griff den Mann unverzüglich an. Als der König Macaire zu Berichten, – laut denen der Ritter am Tag der Ermordung mit zerrissenen Kleidern gesehen worden war – und zu der merkwürdigen Reaktion des Hundes auf den Ritter befragte, wies dieser jede Verbindung mit dem Verbrechen zurück und beteuerte seine Unschuld vor Gott als Richter. Der König antwortete: „Die Gegebenheiten klagen Euch an, Ritter Macaire. Ihr ruft Gott als Zeugen Eurer Unschuld an. So sei es. Gott wird entscheiden zwischen Euch, die Ihr Eure Schuld leugnet und dem Hund, der Euch anzuklagn scheint. Ich ordne an, dass ein Kampf zwischen Euch beiden stattfindet. Das wird Gottes Urteilsspruch sein.“
Dies geschah in Übereinstimmung mit dem alten Gesetz, dass in einer Konfliktsituation der Angeklagte und der Kläger ein Duell bis zum Tode kämpfen. Der Verlierer – tot oder lebendig – würde in einem eisernen Käfig oder eisernen Fesseln aufgehangen, bis er tot und vermodert war. Diese Art des Duells war als „Das Urteil Gottes“ bekannt.
Am achten Oktober 1371 wurde ein Turnierplatz auf den Isles de St. Louis eingerichtet, und der König und die Feldrichter nahmen auf der Tribüne Platz. Es hatte sich eine ziemliche Menschenmenge angesammelt, die zusahen, wie Macaire den Turnierplatz betrat und einen Knüppel erhielt, um einen Ausgleich zu den Zähnen und Krallen des Hundes zu haben.
Der Hund warf sich auf Macaire, und wich nicht einen Zentimeter zurück, aber nach etlichen Minuten intensiven Ringens landete Macaire einen Schlag, der den Hund zum Schwanken brachte. Für einen Moment schien der Ausgang ungewiss, und Macaire schien von der Mord-Anklage befreit. Die Zuschauer verstummten in angespannter Erwartung.
Plötzlich rief Isabelle von der Tribüne: „Räche Deinen Herrn!“. Beim Klang der vertrauten Stimme erhob sich der Greyhound vom Boden mit wiedererwachter Stärke und mit einer Bewegung – zu schnell, um sie zu parieren – schlüpfte er unter Macaires Deckung hindurch und packte den Mann an der Kehle – und Macaire schrie in Todesangst um Gnade. Als man ihn aus dem Todesgriff des Hundes befreit hatte, gab der blamierte Ritter den Mord an Aubrey zu und wurde zum Galgen geführt.
Kurze Zeit später wurde Isabelle krank und verstarb. Ihr Leichnam wurde neben dem von Aubrey in der Kapelle des Schlosses beigesetzt, und die Gebäude wurde geschlossen und verriegelt. Jahre später kaufte ein anderer Edelmann das Schloss und als er die Tore der Kapelle öffnete, fand er neben der Grabstätte der Liebenden das Skelett des treuen Greyhounds.

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Powered by WordPress