The Greyhound Show

14.2.2019

Fast 20 Jahre DNA-Tests – was können wir daraus lernen?

Filed under: Gesundheit,Literaturtip,Standesamt — admin @ 16:48

Ian Seath befasst sich in seiner aktuellen “Best of Health”-Kolumne in “Our Dogs” mit einer kürzlich veröffentlichten Studie, die die Wirksamkeit von DNA-Tests in der Hundezucht unter die Lupe genommen hat. Die Resonanz in der Presse auf diese Studie war teilweise euphorisch mit Überschriften wie “Study revealsfantastic work‘ of DNA testing”. Inwiefern diese Euphorie gerechtfertigt ist, hat Ian Seath genauer untersucht. Seine Erkenntnisse hat er in nachfolgendem Artikel zusammengefasst, den wir freundlicherweise übersetzen durften.

Die Doktores Tom Lewis (Kennel Club) und Cathryn Mellersh (Animal Health Trust) haben neulich einen frei zugänglichen wissenschaftlichen Beitrag veröffentlicht, in dem sie Entwicklungen bezüglich DNA-Tests für acht autosomal-rezessive Merkmale bei acht Hunderassen analysierten. Eine Schlagzeile in der „Vet Times“ lautete „Studie offenbart „fantastische Leistung“ von DNA-Tests“. Die zweite Zeile konstatierte: „Eine Untersuchung hat ergeben, dass verantwortungsbewusste Züchter die Anzahl von Rassehunden mit einem Risiko für eine oft schmerzhafte und belastende Erbkrankheit um rund 90 % senken können“.

Diese Veröffentlichung ist genau die Art von großartigen Resultaten, die wir inzwischen vom Health Team des Kennel Clubs und deren Partner beim Animal Health Truts erwarten. Ich glaube, das könnte einer der einflussreichsten Beiträge sein, die dieses Jahr veröffentlicht werden – wegen seines Potenzials, Zuchtvorgaben und Zuchtstrategien genauso zu beeinflussen wie das Verhalten von Züchtern und Welpenkäufern. Ich will mich nicht mit den Details der Untersuchung aufhalten; Sie können das selbst hier nachlesen: https://goo.gl/PiQmMF .

Ich möchte vielmehr erörtern, wie und warum dieser Artikel wichtig sein könnte. Die Untersuchung bezieht sich auf die Ergebnisse von acht DNA-Tests bei acht Hunderassen im Zeitraum von 2000 – 2017. Zwei der DNA-Tests kamen bei je zwei Rassen zum Einsatz, so dass es insgesamt zehn Rasse / Test-Kombinationen gab.

Die maßgebliche Einheit, in der der Erfolg des Testgeschehens gemessen wurde, war die Mutations-Häufigkeit – was wesentlich aussagekräftiger ist als nur die Anzahl der als „Frei“, „Anlageträger“ oder „Merkmalsträger“ identifizierten Hunde zu ermitteln. Dieser Wert wird folgendesmaßen berechnet: [(2 x Zahl der Merkmalsträger) + Zahl der Anlageträger]/(2 x Anzahl der Hunde mit einem bekannten Ergebnis).

Möglichkeiten der Erfolgsmessung

Bisher haben etliche Betrachtungen über den Erfolg von DNA-Tests einfach den Anteil der als „Frei“, „Anlageträger“ oder „Merkmalsträger“ ermittelten Hunde pro Jahr aufgezeigt, und das haben wir auch so in unserem jährlichen Teckel-Gesundheitsbericht so gehandhabt. Nachdem solche Tests allerdings mehr und mehr genutzt werden, ist der KC in der Lage, den Status ungetesteter Hunde abzuleiten und entsprechend einen „ererbten Status“ zuzuweisen. Bei vielen Tests sind wir nun in der Lage, Hunde als „ererbt frei“, „ererbte Anlageträger“ und „ererbte Merkmalsträger“ zu identifizieren, abhängig von den Testergebnissen ihrer Eltern. Es bleibt trotzdem noch einen Teil an Hunden in der KC-Datenbank übrig ohne bekannten oder abgeleiteten Status, und die Forscher ihrer Analyse, waren aber in der Lage, eine „Worst Case“-Simulation der Mutations-Häufigkeit für jede Rasse zu berechnen. Diejenigen unter uns, die die Berichte über DNA-Tests für „ihre“ Rassen aufbereiten, sollten das KC Health Team unbedingt auch nach den „ererbten Resultaten“ fragen, so dass wir ein wesentlich genaueres Bild vom erzielten Fortschritt zeichnen können. Der Unterschied kann recht bedeutend sein: So lauten z.B. 50 % der Test-Ergebnisse von 2017 für PRA-rcd4 beim Gordon Setter „Frei“, wenn man aber den erblichen Status mit in die Betrachtung einbezieht, sind 95 % der Rassevertreter „Frei“. Wenn man Erfolgsgeschichten erzählen möchte, bedeutet das einen großen Unterschied.

Ein weiterer Aspekt des Berichts sind die Angaben über Verbreitung und Verwendung von DNA-Tests. Bei den meisten Rassen beobachtet man – wenig überraschend – die häufigste Anwendung eines Tests zu dem Zeitpunkt, an dem er kommerziell erhältlich war und danach ein fortschreitendes Abflauen der Anzahl der getesteten Tiere. Es gab eine Ausnahme: Exercise Induced Collapse beim Labrador, wo die Benutzung des Tests seit seiner Veröffentlichung stetig häufiger wird. Der Höchstwert um den Zeitpunkt der Test-Veröffentlichung könnte die Tatsache widerspiegeln, dass Rassezuchtvereine oft bei der Entwicklung solcher Tests aktiv mitwirken und daher auch begierig darauf, diese zu nutzen, sobald sie verfügbar sind. Die Herausforderung für uns Clubmitglieder besteht darin, wie wir diejenigen außerhalb unserer Gemeinschaft dahingehend erziehen und beeinflussen, dass auch sie solche Tests nutzen.

Das Paper zeigt zudem, dass es eine umgekehrte Relation zwischen der Populationsgröße einer Rasse und der Verbreitung von Tests gibt. Die langsamste Wachstumsrate war bei den beiden zahlenmäßig größten Rassen zu verzeichnen, Labradors und Cocker Spaniels. Bei kleineren Rassepopulationen ist es wahrscheinlicher, dass die Zuchtvereine Einfluss auf einen größeren Prozentsatz an Züchtern haben. Der Labrador- / Cocker-Effekt mag zusätzlich der Tatsache geschuldet sein, dass die Züchter in Gruppen von Show-, Arbeits- und Familienhunden gespalten sind, was es schwieriger macht, diese heterogene Gruppe von Haltern zu erreichen. Möglicherweise ist es auch so, dass bei Rassen, für die es mehrere DNA-Tests gibt (wie Labradors mit 5 Tests laut KC) und Cocker Spaniels (4 Tests), es schwerer ist, Züchter zur Nutzung dessen zu überreden, was sie vielleicht als „noch so einen Test“ ansehen Ein anderer Gesichtspunkt bei der Verbreitung eines Tests ist der Leidensdruck des Züchters. Die Schwere der Erkrankung, das Auftretensalter und die Auftretenswahrscheinlichkeit in der Population sind alles Faktoren, die der jeweilige Züchter berücksichtigt, wenn er überlegt, einen Test zu verwenden oder eben nicht. In einigen Fällen wollen die Züchter es einfach nicht wissen – egal, wie ernst ein Problem ist – und stecken lieber den Kopf in den Sand. All‘ das bringt mich wieder auf mein Steckenpferd, das Change Management; es ist so wichtig, wesentlich mehr zu kommunizieren als nur die Fakten zur Veröffentlichung oder Verfügbarkeit eines neuen Test.

Weitrechende Auswirkungen?

In einigen Fällen kann die Einführung eines neuen Tests die Lage einer Rasse tatsächlich verschlechtern. Der Bericht vermeldet Anzeichen für Selektion – Züchter, die bewusst die Geburt betroffener Welpen vermeiden. In einigen Rassen haben wir wenig hilfreiche Strategien gesehen wie das komplette Entfernen von Merkmals- oder Anlageträgern aus der Zuchtpopulation, wo diese doch problemlos mit freien Tieren hätten verpaart werden können. Eine weitere wenig sinnvolle Herangehensweise ist der hochfrequente Gebrauch der wenigen „freien“ Deckrüden, was dann gerne das so genannte „Popular Sire“-Syndrom mit all‘ seinen negativen Konsequenzen nach sich zieht. Während also DNA-Tests in der Tat das Potenzial haben, die Zucht von weiteren erkrankten Welpen zu verhindern, müssen Züchter dies im größeren Gesamtzusammenhang der genetischen Diversität betrachten. Eine Verringerung des Genpools macht es umso wahrscheinlicher, dass bis dato unbekannte rezessive Mutationen plötzlich als unerwünschte Gesundheitsprobleme „aufploppen“. Es gibt über 700 genetisch bedingte Krankheiten und Merkmale bei Hunden, von denen rund 300 einen einfachen Erbgang aufweisen, und um die 150 verfügbare Gentests. Das sagt uns, dass wir uns nicht auf DNA-Tests verlassen sollen, um das „Problem“ von Erkrankungen bei Rassehunden zu lösen. Diese neue Veröffentlichung gibt daher dem KC und den Rassezuchtvereinen eine Möglichkeit, Besitzer und Züchter zu schulen (oder auch „umzuerziehen“), wie DNA-Tests als Teil einer umfassenderen Zuchtstrategie sinnvoll verwendet werden können. Wenngleich die fantastische Arbeit so vieler leidenschaftlicher Rasse-Liebhaber zu preisen ist, muss die Botschaft weiter gefasst werden als nur „Gentests verbessern die Gesundheit von Hunden“.

Ich frage mich außerdem, in welchem Ausmaß dieses Paper möglicherweise den KC zu einem Umdenken hinsichtlich seiner Registrierungsverfahren veranlassen könnte, insbesondere unter dem Aspekt, dass verantwortungsbewusste Züchter schon seit langem nach einer Anerkennung für ihr Engagement rufen. Es reicht nicht, auf das ABS (Assured Breeder Scheme) zu verweisen, wenn so viele gute Züchter dabei bewusst nicht mitmachen. Letztes Jahr veröffentlichte „Our Dogs“ „Ein Manifest für den Wandel“, gerichtet an den Vorstand des KC. Unter anderem wurde dort auf die Notwendigkeit hingewiesen, seit langem bekannte strittige Punkte bezüglich des Registrierungsverfbahrens wie das ABS, DNA-Fingerprints und die Vorgaben für Gesundheitsuntersuchungen anzugehen (oder eindeutig zu begründen). Ich hoffe, der Bericht von Lewis & Mellersh liefert einen Teil der für diese Diskussionen notwendigen Fakten.

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