The Greyhound Show

3.9.2018

Greyhound World Congress 2017 – was seitdem geschah…

Filed under: Auf den Greyhound gekommen,Gesundheit,Standesamt — admin @ 18:33

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr fand in Norwegen der 1. Greyhound World Congress statt. Eine Zusammenfassung der Vorträge ist hier zu finden. Neben der allgemeinen Begeisterung, so viele Greyhound-Liebhaber aus aller Welt vereint zu sehen und dem umfangreichen Rahmenprogramm sorgte auch der Vortrag von Dr. Barbara Kessler “Greyhound Neuropathy – what lessons to learn?” für Aufsehen. Man könnte Barbara fast seherische Fähigkeiten unterstellen, wenn man diesen Satz liest: „If we don‘t change our breeding strategies, it‘s not the question IF we will face a new recessive disease – but only which one and when…“

Denn noch während des Kongresses offenbarte sich, dass es ein weiteres neurologisches Problem bei Show-Greyhounds zu geben scheint. Eine vorläufige Analyse betroffener Tiere ergab, dass eine genetische Disposition wahrscheinlich ist – allerdings vermutlich keine simple monogen-rezessive Mutation wie bei der Greyhound-Neuropathie. Barbara Kessler startete umgehend gemeinsam mit dem Institut für Tierpathologie der LMU München ein Forschungsprojekt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Seitdem haben sich Halter von 17 betroffenen Hunden gemeldet, es fand auch ein reger Austausch mit einigen Züchtern betroffener Greyhounds statt. Leider gestaltet es sich recht schwierig, die Erkrankung weiter zu erforschen – notwendig wären beispielsweise Reihenuntersuchungen etlicher Hunde im MRT, was aufwändig und teuer ist.
Schnelle Ergebnisse, die am Ende zur Identifizierung der zugrundeliegenden Mutation(en) und womöglich zur Entwicklung eines validen Gentest führen können, sind daher NICHT zu erwarten.

Das bedeutet aber nicht, dass den Greyhoundzüchtern die Hände gebunden sind. Was wir alle tun können, um nicht nur die Auftretenswahrscheinlichkeit subarachnoidaler Zysten, sondern auch sonstiger Probleme in der Rasse wie Herzinsuffizienz, Autoimmunerkrankungen, Neuropathie etc. zu vermindern, ist das Streben nach vermehrter genetischer Diversität. Dazu bedarf es einer gesteigerten Achtsamkeit der Züchter gegenüber diesem Aspekt und eines sinnvollen Populationsmanagements. Wir leben im 21. Jahrhundert, es stehen uns mehr Werkzeuge denn je zur Verfügung, um dieses Ziel zu erreichen.

Da sind einerseits die Pedigree-Datenbanken „Greyhound-Data“ und „Greyhound Archive“. Letzteres ist erst seit 2017 online, umfasst aber derzeit bereits Abstammungsdaten von fast 50000 Greyhounds. Im Gegensatz zur Greyhound-Data (die über 2.230.000 Pedigrees überwiegend von Renn- und Coursing-Greyhounds umfasst) bietet das Archive weitergehende Möglichkeiten zur statistischen Auswertung. So kann man gesundheitsbezogene Auswertungen und Statistiken zur Lebenserwartung aufrufen. Diese werden natürlich umso aussagekräftiger, je mehr Daten vorliegen. Daher der Aufruf: Tragen Sie die Gesundheits- und Todesdaten Ihrer Greyhounds ein!
Beide Datenbanken ermöglichen die Berechnung von Inzucht-Koeffizient und Ahnenverlust für vorhandene Hunde ebenso wie für geplante Würfe, was ein wichtiges Werkzeug zur Steigerung der genetischen Diversität in der Population sein könnte.

Allerdings muss man sich immer vor Augen halten, dass es sich hier um berechnete Schätzwerte handelt, die bei Betrachtung von wenigen Generationen ein stark verfälschtes Bild liefern können. Denn unsere Greyhounds (egal aus welcher Subpopulation) werden schon seit so vielen Generationen ingezogen, dass auch Hunde, die auf mehrere Generationen keinen gleichen Vorfahren aufweisen, oft näher verwandt sind als Halbgeschwister.

Deswegen liegt ein Abgleich mit dem tatsächlichen Zustand nahe – diese Möglichkeit bieten inzwischen DNA-Tests auf genetische Diversität. Einige Greyhounds wurden inzwischen solcherart anhand des MyDogDNA-Tests untersucht, die Ergebnisse waren deutlich: Die Werte für die genetische Diversität bei den öffentlich einsehbaren Greyhounds aus reinen Show-Linien lag bei 20 – 28 %.
Zum Vergleich: für die Rasse Greyhound ist ein Median (!) von 31,6 % angegeben, für alle Rassehunde 33,8 % und für Mischlinge gar von 43.3 %.
Natürlich ist die Stichprobenzahl gering, aber der Verdacht nährt sich, dass es um die genetische Vielfalt beim Show-Greyhound nicht gut bestellt ist.

Was wären Auswege aus der Misere? Zunächst einmal sollte ein grundsätzliches Umdenken hinsichtlich althergebrachter Zuchtpraktiken stattfinden.
Wir haben das Glück, dass unter dem Rassebegriff „Greyhound“ eigentlich drei separate Rassen zu finden sind. Daher bietet sich viel Gelegenheit, ohne besonderen Aufwand echt „Outcrosses“ vornehmen zu können. Zwei mutige Zuchtstätten haben dies aktuell in Planung – leider hat es dieses Jahr noch nicht geklappt.
Aber auch für die weniger mutigen Züchter gibt es Wege, die genetische Diversität in der Rasse zumindest nicht noch weiter zu dezimieren. Dafür eignen sich neben der Beachtung von Inzuchtkoeffizient und Ahnenverlust bei der Paarungsplanung auch die Untersuchung der tatsächlichen genetischen Diversität der einzelnen Zuchtpartner mit nachfolgendem Abgleich für die Wurfplanung.

Dazu bietet sich einerseits der oben bereits erwähnt „MyDogDNA“-Test der finnischen Firma Genoscoper an. Hier werden 20000 SNP-Marker (single nucleotide polymorphism) untersucht, und das Ergebnis als Wert für „Genetic Diversity“ ausgedrückt. Je mehr Übereinstimmungen ein Hund auf den 20000 Genorten hat (also umso homzygoter er ist), desto niedriger ist sein Wert für „Genetic Diversity“.
Diesen Wert kann man mit der restlichen Rassepopulation vergleichen, aber auch mit der Gesamtheit der getesteten Rassehunde, sowie den Mischlingen in der Datenbank.

So bekommt man ein Gefühl, wie der eigene Hund einzuordnen ist, aber auch, wie es um die Rasse insgesamt bestellt ist. Das „Breeder Tool“ bietet darüber hinaus noch die Möglichkeit, die SNPs zweier getesteter potenzielle Zuchtpartner miteinander abzugleichen und die zu erwartende genetische Diversität des geplanten Wurfs ermitteln zu lassen.


Zusätzlich werden bei MyDogDNA knapp 200 bei Hunden vorkommende autosomal-rezessive Erbkrankheiten getestet, zusätzlich die Veranlagung zu maligner Hyperthermie, außerdem die Farbgenetik.
Preis: 99,- € (Discount ab 10 Proben: 20 %).

Ein etwas anderes Angebot gibt es von der österreichischen Firma Feragen. Hier kann man im Rahmen des „Diversitätsprojekts“ drei DLA-Haplotypen und 230.000 genetische Marker (SNPs) testen lassen. Die DLA-Haplotypen werden besonders mit dem Auftreten von Autoimmunerkrankungen wie SLO assoziiert. Wenn man beide potenziellen Zuchtpartner testen lässt, kann man sich einen Bericht zu genomischer Diversität, DLA-Typisierung, Verwandschaftsgrad und genomischem Inzucht-Koeffizienten erstellen lassen.
Dieses Angebot beschränkt sich nur auf die Analyse der genetischen Diversität, bietet aber durch die höhere Anzahl getesteter SNPs und die Ausweisung der DLA-Haplotypen eine höhere Aussagekraft.
Preis: 199,- €

Die verstärkte Nutzung solcher Tests für Show-Greyhounds könnte uns einen unverfälschten Überblick auf die tatsächlich vorhandene genetische Diversität gewähren. Dann hätten wir ein verlässliches Werkzeug an der Hand, um die genetische Diversität zukünftig geplanter Würfe abschätzen zu können. Beide Tests können zusätzlich auch mit einem ISAG 2006 DNA-Fingerprint kombiniert werden, was außerdem die Richtigkeit der Ahnentafeln gewährleisten würde (ist in Deutschland und Frankreich ohnehin bereits Pflicht).
Durch die Kenntnis der DLA-Haplotypen wäre es außerdem möglich, die Gefahr des Auftretens von Autoimmunerkrankungen zumindest einzudämmen.

Wäre das nicht ein schönes (und sehr konkretes!) Projekt für den nächsten Greyhound World Congress? Möglicherweise kommt es ja dort sogar zur Gründung einer länderübergreifenden rassespezifischen Dachorganisation vergleichbar zur ATIBOX (Association Technique Internationale du Boxer), IHF (Internationale Hovawart Föderation) oder IFR (International Federation of Rottweiler Friends), die ein solches Projekt führen könnte. Allerdings wäre es sehr begrüßenswert, wenn wir nicht bis dahin warten müssten, sondern sich vorher schon Interessierte zum Wohle unserer Rasse zusammenfinden könnten…

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