The Greyhound Show

5.7.2018

Die Bereitschaft zur “Duldung”

Filed under: Auf den Greyhound gekommen,Standesamt — admin @ 20:57

Über das Anfertigen von Standfotos bei Greyhound-Welpen kann man geteilter Meinung sein. Einen unbestreitbar positiven Aspekt hat es jedoch, denn dabei wird den Welpen (meist zum ersten Mal und einzigen Mal während der Aufzucht) etwas vom Menschen abverlangt. Egal, wie behutsam der Züchter zu Werke geht – am Ende muss der Welpe sich “fügen”, das kurze Stillhalten akzeptieren, sich in seiner Bewegung einschränken lassen.

Welpen instinktsicherer Hündinnen kennen das natürlich schon längst durch die Erziehung ihrer Mutter, aber es ist eben auch wichtig, dass sie lernen, sich das von ihren menschlichen Sozialpartnern gefallen zu lassen. Und da viele Züchter ihre Welpen nahezu “in Watte packen”, kommt es bei dieser Gelegenheit oft erstmals zu einer solchen Situation. Interessant dabei ist, das Greyhound-Welpen im Alter von sechs Wochen das meist noch klaglos über sich ergehen lassen, und höchstens passiven Widerstand leisten (Hinlegen, Umfallen, den Kopf hängen lassen). Zwei Wochen später bietet sich dann häufig ein anderes Bild: Die Welpen strampeln, Kreischen oder versuchen auch schon mal, nach der menschlichen Hand zu schnappen, wenn sie festgehalten werden. Hier ist es wichtig, nicht nachzugeben, und die kleine Krawallschachtel so lange ruhig, aber bestimmt einzuschränken, bis sie sich entspannt. Um sie dann ohne großes Aufhebens zu entlassen. Exerziert man das mit jedem Welpen in diesem Alter konsequent täglich durch, merkt man nach wenigen Tagen, dass der Drops gelutscht ist und die Welpen die vorübergehende Einschränkungen ihres Bewegungsfelds durch den Menschen genauso hinnehmen wie die ihrer Mutter.

Welche Bedeutung diese Lernerfahrung für ihr späteres Leben hat, hat Antje Engel von CreaCanis gut in folgendem Artikel zusammengefasst, den wir hier mit freundlicher Genehmigung teilen dürfen:

Die Bereitschaft zur ‘Duldung’
zum Beispiel in Form von Festhalten, auf die Seite legen oder andere Positionen ist in unserem Programm von CreaCanis ein wichtiges Thema.
In einem Team Mensch – Hund, welches auf Vertrauen und Kommunikation aufbaut, kann und darf es für einen Hund selbstverständlich werden, dass er nicht immer seinem Bewegungsdrang oder anderen, für ihn wichtigen Bedürfnissen nachgehen kann.
Uns als Teampartner ist es wichtig, dass sich unsere Hunde zu jeder Zeit, an jedem Ort festhalten lassen – auch wenn er es gerade NICHT möchte. Wenn er dieses ‚Festhalten‘ positiv gelernt hat, wird er es ‚dulden‘ aber gleichzeitig in positiver Stimmung bleiben und die Berührungen vom Menschen genießen und bei notwendigen Manipulationen seinem Menschen auch vertrauen.
Warum ist das so wichtig?
Es gibt immer wieder Situationen, wo der Mensch die Energie des Hundes herunter fahren möchte und/ oder muss – deshalb ist bei Überaktivität oder beim ‚Kippen‘ der Stimmung ein sogenannter zuverlässiger ‚Ausschalter‘ sehr wichtig, auch und gerade in einer intakten Mensch – Hund Beziehung.
Wir sind der Ansicht, dass ein Hund sehr gerne, sehr aktiv mit uns im Spielen mal richtig loslegen darf – das geht aber nur, wenn er jederzeit und an jedem Ort und zu jeder Stimmung kontrollierbar und regulierbar bleibt
Es sind öfters mal Manipulationen am Hund notwendig, sei es nur, dass der Besitzer eine Zecke entfernen möchte oder ähnliches, sei es bei einer Ausstellung oder Zuchtüberprüfung, wo sich der Hund von einer fremden Person anfassen lassen sollte, oder sei es beim Tierarzt, welcher den Hund impft oder auch größere Behandlungen durchführen muss.
Es ist sinnvoll, dem Hund schon vor diversen Situationen vermittelt zu haben: wenn ICH als Mensch möchte, dass DU (der Hund) jetzt hier bei mir ruhig stehst oder liegst, dann kannst DU (der Hund) mir voll vertrauen! Auch wenn es mal unangenehm wird, es wird geduldet und diese Position wird nicht verlassen.
Das Leben ist kein Ponyhof!
Seine Impulse kontrollieren zu können, einen möglichen Fluchtgedanken zu unterdrücken und auch mal unangenehmere Dinge auszuhalten ist einem sozialem Wesen wie dem Hund als Anlage mit in die Wiege gelegt. Aus der Anlage wird Verhalten, wenn dieses Verhalten erlernt, trainiert und auch immer wieder abgefragt wird.
Wer selber Hunde züchtet oder die Möglichkeiten hat, die Interaktionen der Mutter mit den Welpen ausführlich zu beobachten wird feststellen, dass eine gute ‚Frau Hundemama‘ so gar nicht zimperlich mit Ihrem Nachwuchs umgeht. Wenn die Mutter möchte, dass sich klein Welpe auf den Rücken zu legen hat, damit sie diesem den Bauch abknabbern kann, dann verlangt sie es und zwar SOFORT. Auch unter heftigem Protest setzt sie Ihre Maßnahme, welche wir gerne auch ‚pflegende Dominanz‘ bezeichnen, RUHIG durch und lässt sich so gar nicht beeindrucken vom Protest.
Und eines können Züchter sicher aus eigener Erfahrung sagen, die strengen Hundemütter sind die Besten! Das die Welpen trotzdem oder gerade deswegen, weil die Mutterhündin diese Duldung verlangt, dieser zu 100% vertrauen und eine wunderbare Bindung haben – bleibt unumstritten
Kommen Welpen in ein bestehendes Hunderudel beim neuen Besitzer mit gut sozialisierten Althunden, werden diese nicht mit offenen Pfoten empfangen – nein es wird als erstes Einiges klar gestellt. Die Althunde vermitteln diese Regeln und grenzen sich ab und verlangen vor allem eines Respekt aber auch Duldung. So wird eine ruhige Position (z.B. auf dem Rücken liegend) regelmäßig abgefragt, bis die Maßnahme und Regel wirklich verstanden ist.
Und Nein, das passiert nicht immer nur freiwillig vom Welpen, auch wenn er es von sich aus häufig anbietet, diese Position wird auch eingefordert und zwar dann, wenn der adulte Hund es für richtig hält und nicht der Welpe.
Was entsteht aus diesen Maßnahmen?
Vertrauen, Respekt und Bindung – und vor allem ein gut funktionierendes Rudel! (oder wie jeder persönlich diese Gruppe, welche zusammen lebt nennen möchte)
Also bitte liebe Züchter und Mehrhundebesitzer, vertraut der Mutterhündin und vertraut Euren erwachsenen Hunden, sofern sie eine gute Sozialkompetenz aufweisen!
Wie ist das jetzt bei uns Menschen und dem Hund?
Instinktiv setzen wir kleine Welpen, die wir auf dem Arm halten wieder ab, wenn diese zappeln. Wenn der kleine Welpe bei einem möglichen Festhalten vom Besitzer sich vielleicht noch wehrt und seine kleinen spitzen Zähne benutzt, lassen wir ihn los – aber was lernt der Hund? Er braucht seine Impulse in dem Sozialgefüge Mensch – Hund NICHT zu kontrollieren, er bekommt immer und sofort seinen Willen, wenn er sich gegen Maßnahmen, die ihm nicht passen wehrt und dem Menschen als Sozialpartner kann man nicht vertrauen, weil er angedeutete Maßnahmen nicht durchsetzt und dadurch keine Sicherheiten vermittelt.
Natürlich behaupten schlaue Leute, dass richtiges Verhalten bestärkt gehört und somit könnte man doch einfach den Hund belohnen, wenn er ruhig ist. Dieser Ansatz ist natürlich nicht verkehrt, aber was mache ich, wenn er dann doch zappelt und weg möchte? Das ‚Training‘ auf einen anderen Tag verschieben und ihm seinen Willen lassen?
Bindung kann man nicht ‚keksen‘
Wir haben hier ein wunderbares Wesen in unsere Familie genommen und wir sind es ihm schuldig, mit ihm so zu agieren, dass er versteht, Sicherheit findet und auch Regeln akzeptiert – nur so kann eine stabile Bindung zum Menschen entstehen.
Wir haben in unserem CreaCanis Programm einige Duldungsübungen im Sozialbereich, welche kleinschrittig aufgebaut werden. Dies mit dem Ziel, dass der Hund eine Einschränkung nicht nur (er)duldet, sondern von sich aus diese sozialen Positionen sucht, sich drauf einlässt und sich wohlfühlt, egal wo wir es verlangen.
Ebenfalls haben wir diesen ‚AUSCHALTER‘ welcher es uns ermöglicht aktiv mit dem Hund umzugehen, zu spielen und auch mal die ‚Sau raus zu lassen‘ denn einen ein Ferrari sollte man nicht nur mit 30 km/h fahren können.
Wir finden es wunderbar, dass wir sofort das Energielevel unseres Hundes beeinflussen können, dass er uns vertraut, unsere Autorität problemlos akzeptiert und eine tiefe Bindung zu uns und in unserem Familienverband hat!

 

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