The Greyhound Show

12.6.2018

Update: Inzucht-Koeffizient vs. Genetische Diversität beim Greyhound

Da seit der Veröffentlichung dieses Artikels vor einem halben Jahr ein paar neue Datensätze von getesteten Greyhounds bei MyDogDNA veröffentlicht wurden, war es Zeit für eine Überarbeitung.

As some more Greyhounds were tested at MyDogDNA since we published this article half a year ago, it was time for an update.
Please find the English translation here.


Im vergangenen Juni haben wir den MyDogDNA-Test vorgestellt1, der inzwischen auch für einige Greyhounds aus deutscher Zucht vorliegt. Außerdem haben wir eine Übersicht über den Inzuchtgrad in der deutschen Greyhound-Zucht gegeben2, woran sich eine Empfehlung anschloss, auch Werkzeuge zur Feststellung der tatsächlichen genetischen Diversität zu nutzen. Auf dieser Grundlage ist es interessant, inwieweit der errechnete Inzuchtgrad mit der genetischen Varianz übereinstimmt. Die Werte, die wir vergleichen wollen, sind folgende:

  • Inzucht-Koeffizient über sieben Generationen3
  • Ahnenverlust über sieben Generationen 4
  • Genetic Diversity5: Diese wird beim MyDogDNA-Test anhand von mehr als 20000 Markern (SNP genannt) ermittelt, die über die ganzen 39 Chromosomen-Paare verstreut liegen und die einen definierten Abstand zueinander haben. Besonders berücksichtigt wird dabei die Region auf Chromosom 12, wo Gene für die immunologisch wichtige Funktionen (DLA & MHC) liegen. An dieser Untersuchung kann man den Grad der Heterozygosität ablesen, also in welchem Verhältnis der jeweilige Hund gleiche oder unterschiedliche Allele (Erbinformationen) für ein Merkmal von Mutter und Vater geerbt hat. Hat ein Hund viele gleiche (homzygote) Allele geerbt und nur wenige unterschiedliche, bekommt er einen geringen Wert für Genetic Diversity zugewiesen. Hat er viele unterschiedliche Gene geerbt, einen hohen. Ein Hund mit einem großen Anteil homozygoter Gene weist zwar eine hohe Übereinstimmung zwischen Aussehen und vererbbaren Eigenschaften auf, läuft aber Gefahr, weniger vital und anpassungsfähig zu sein. Eine (zu) geringe genetische Diversität bei bestimmten Genorten soll u.a. das Auftreten von Allergien und Autoimmunerkrankungen beim Hund begünstigen.
    In der MyDogDNA-Datenbank liegen Werte für Genetic Diversity von über 20000 Hunden im Bereich von  4 – 50 % vor, die Gruppe der mehr als 100 getesteten Greyhounds bewegt sich um einen Median von 31,7 % herum.

Hier zwei der betrachteten Hunde (blaue Kringel) im Vergleich zu allen getesteten Greyhounds (blaue Linie), im Vergleich zu allen in der Datenbank vorhandenen Rassehunden (grüne Linie, Median 33,8 %) und im Vergleich zu allen in der Datenbank erfassten Mischlingshunden (orange Linie, Median 43,2 %).

Nachfolgend die Übersicht der betrachteten Greyhounds. Es handelt sich um zehn Hunde aus deutschen Zuchtstätten, jeweils  zwei Rassevertreter aus Russland, Estland, Frankreich, Irland und einen aus Schweden. Dabei stammen 17 Greyhounds aus Showlinien, zwei aus irischen Rennlinien. In der Datenbank von MyDogDNA liegen nach eigenen Angaben die Daten von mehr als 100 Greyhounds vor, die aber leider nicht veröffentlicht sind.

Die Beziehung zwischen Genetic Diversity und Inzucht-Koeffizient

Wenn man die errechneten Werte für den Inzucht-Koeffizienten in Zusammenhang mit den gemessenen Werten für die Genetische Varianz (Genetic Diversity) abgleicht, so ergibt sich in der Übersicht wenig überraschend der grundsätzliche Zusammenhang:
Je höher der Inzucht-Koeffizient, desto geringer die genetische Varianz.

Der Hund mit dem höchsten Inzucht-Koeffizienten weist auch die fünftniedrigste genetische Varianz auf (Jupiter des Dames du Lac, IK 11,33 %, GD 22,10 %). Umgekehrt hat der Hund mit dem niedrigsten Inzucht-Koeffizienten (Deneview Snowfox, 0,36 %)  die höchste Genetic Diversity  (34,2 %).

Allerdings fällt auf, dass es diesbezüglich schon starke Abweichungen gibt:

So finden wir bei einem Hund (Rumford Ustinov) eine genetische Varianz von nur  25,2 % bei einem verhältnismäßig geringen Inzucht-Koeffizienten von 1,61 %. Tahuara’s Conversano hat fast die gleiche genetische Varianz (in diesem Fall 25,3 %), weist aber einen mehr als doppelt so hohen IK von 3,88 % auf.

Ist vielleicht der Ahnenverlust-Koeffizient zuverlässiger in der Vorhersage der genetischen Varianz?

Offensichtlich finden wir auch hier nur in der groben Betrachtung den Zusammenhang:
Je höher der Ahnenverlust, desto geringer die genetische Varianz.

Hier gibt es jedoch ebenfalls Ausnahmen. Die Hündin „Estet Classic Milky Way“ hat eine genetische Varianz von 24,8 %, weist aber mit 54,7 % den höchsten Ahnenverlust aller neunzehn Hunde auf.
Dagegen liegt der Rüde Rumford Rollercoaster mit 24 % bei einer ähnlichen genetischen Varianz, hat aber einen deutlich geringeren Ahnenverlust von 36,6 %.

Schlussendlich kann man aus dieser knappen Betrachtung einer sehr kleinen Stichprobe eigentlich nur ableiten, dass berechnete Werte wie Inzucht-Koeffizient und Ahnen-Verlust lediglich einen Hinweis auf die genetische Diversität des einzelnen Hundes geben können. Noch zwei Beispiele:

Der Rüde „Jupiter des Dames du Lac“ hat den zweithöchsten AVK dieser Stichprobe (51,2 %), den höchsten IK  (11,33 %) und landet dann erwartungsgemäß im untersten Viertel hinsichtlich seiner genetischen Diversität (22,10).

Umgekehrt hat die Hündin „Estet Classic Dreamlike“ einen AVK von 40,2 %, der fast genau dem Mittelwert der betrachteten Stichprobe entspricht (39,22 %), liegt mit ihrem IK von 2,93 % in der oberen Hälfte, weist aber eine für diese errechneten Werte überraschend hohe genetische Diversität von 28,10 auf – der fünfhöchste Wert in der ganzen Gruppe.

Um den Faktor „Erhalt oder Steigerung der genetischen Diversität“ bei der Zuchtplanung eines einzelnen Zwingers oder aber für eine ganze Population mit einfließen zu lassen, müssten eine weitaus größere Menge an Datensätzen miteinander abgeglichen werden. Bis es soweit ist, kann man nur empfehlen, mithilfe des MyDogDNA-Tests Informationen über dieses (und etliche andere) Merkmale möglichst vieler Zuchthunde zu sammeln.

Genetic Health Index6

Zusätzlich erstellt MyDogDNA auch für jeden getesteten Hund einen „Genetic Health Index“. In diesen fließen einerseits die Ergebnisse des Tests auf genetische Erkrankungen, andererseits der Grad an genetischer Diversität ein. Dieser Wert ist dynamisch, da er stets mit den Werten aller getesteten Hunde in der Datenbank abgeglichen wird. Der Wert „100“ steht für den Mittelwert aller Hunde in der Datenbank. Hat ein Hund einen Wert unter 100, ist sein Index für „Genetische Gesundheit“ niedriger als der Durchschnitt aller Rassen, liegt sein Ergebnis höher, ist es besser.  Da bis auf einen Hund für keine der getesteten genetischen Erkrankungen Merkmals- oder Anlageträger war, wird der „Genetic Health Index“ bei den betrachteten Greyhounds einzig und allein durch die (ausnahmslos recht niedrigen!) Ergebnisse für „Genetic Diversity“ bestimmt. Einer der Neunzehn ist jedoch Anlageträger für Greyhound-Neuropathie, welcher das ist, erkennen Sie sicher selbst:

Zusammenfassend können wir sagen, dass offensichtlich die genetische Diversität bei den betrachteten neunzehn Greyhounds so gering ist, dass nur ein einziger an die durchschnittliche genetische Gesundheit aller bei MyDogDNA erfassten Hunde reicht, also an oder über 100 Punkte kommt. Und das schon ganz ohne eine Riege von bedrohlichen Erbkrankheiten….

Es ist also höchste Eisenbahn, den Faktor „Genetische Diversität“ bei unseren Greyhounds intensiv in Augenschein zu nehmen und das Thema auch züchterisch anzugehen.

Nebenbemerkung: Natürlich ist die Genetische Diversität nur ein Faktor in dem Bestreben, gesündere Greyhounds zu züchten. So verstarb die Hündin aus dieser Stichprobe mit der höchsten genetischen Diversität dreijährig an einem Herzinfarkt, obwohl sie regelmäßig tiermedizinisch durchgescheckt wurde. Die Zucht gesunder, langlebiger Hunde ist ein sehr komplexes Unterfangen. Die Beachtung der genetischen Diversität ist nur ein Baustein von vielen, aber trotzdem keiner, den man außer Acht lassen sollte.

Fußnoten:

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