The Greyhound Show

10.5.2018

Altersfrische beim Greyhound

Filed under: Auf den Greyhound gekommen,Gesundheit — admin @ 18:34

Letzte Woche ist mein aktuell ältester Greyhound neun Jahre alt geworden. Außerdem wurde vor wenigenTagen in einer französischen Facebook-Gruppe ein Album für „altersweise Greyhounds“, die ein Alter von 12 Jahren und mehr erreicht haben, eröffnet.
Beides bietet Anlass, ein paar Betrachtungen über die Altersfrische bei Greyhounds anzustellen. Schauen wir uns zunächst einmal die „harten Fakten“ zur Haltbarkeit eines durchschnittlichen Greyhound-Lebens an. Im Greyhound-Breed Archive finden wir 584 Greyhounds aus den Jahrgängen 1980 – 2010, für die Geburts- und Todesdaten eingegeben wurden. Die Spanne des Todesalters reicht von unter einem Jahr bis zu einem Rassevertreter im Alter von 16 Jahren.

Für Greyhounds mit einem Todesalter von zwölf Jahren und älter wird in dieser Statistik pauschal „Altersschwäche“ als Todesursache angenommen. Das unter der Prämisse, dass das Erreichen dieses Alters ohne lebensbedrohliche Erkrankungen grundsätzlich als positiv zu werten sei und es züchterisch eher irrelevant ist, welches Problem schlussendlich zum Versterben / zur Euthanasie nach diesem Zeitpunkt führe.
Letzteres wird bestätigt durch die Verteilung des Auftretensalters unserer bekannten rassetypischen Probleme: Herzerkrankungen treten zwischen sechs und elf Jahren als Todesursache in Erscheinung, Magendrehungen im Alter zwischen sieben und zehn Jahren, Krebserkrankungen vermehrt zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr.
Das erreichte Durchschnittsalter liegt bei 9,14 Jahren, der Median bei 10 Jahren. Also ist schon jeder Greyhound, der älter als zehn Jahre wird, als Hund mit überdurchschnittlicher Lebenserwartung zu werten. Damit könnte man im Vergleich mit anderen großen Rassen wie Irish Wolfhound oder Deutscher Dogge zufrieden sein. Es gibt aber andere Hunderassen in gleicher Gewichtsklasse, die durchaus langlebiger sind. Beim Greyhound dürfte die Bekämpfung der bekannten Probleme wie Herz-Insuffizienz, Magendrehung und der Neigung zur Tumorbildung ein guter Weg sein, das Durchschnittsalter anzuheben. Alleine weil dann die Zahl der unter zehnjährigen Greyhounds, die an diesen Krankheiten versterben, reduziert würde. Derzeit sind jedoch leider keine konzertierten Bemühungen zu erkennen, dieses Thema züchterisch anzugehen.
Wie sieht es denn aber mit der Altersfrische derjenigen Hunde aus, die das Glück haben, nicht vor der Zeit an einer der genannten Erkrankungen dahingerafft zu werden? Welche Lebensqualität bietet ihnen ihr Seniorenalter?
Rein subjektiv will es mir erscheinen, dass Greyhounds nicht gut altern. Einem Greyhound, der zehn Jahre oder älter ist, sieht man sein Alter in jedem Fall an. Oft sehen allerdings auch schon achtjährige Greyhounds „alt“ aus, und das liegt nicht etwa am vorzeitigen Ergrauen des Haarkleids, wie es in manchen Linien vorkommt. Typische Altersanzeichen sind schlabberiges Bindegewebe, Muskelatrophie, Linsentrübung, steifer Gang, Lahmheit, Muskelzittern und Hautveränderungen wie z.B. Warzenbildung. Diese Symptome kann man oft schon bei achtjährigen Greyhounds wahrnehmen, wie an diesen Beispielen von Greyhounds zwischen acht und zehn Jahren zu sehen ist. Die Tatsache, dass unsere Hunde kurzhaarig sind, ist diesbezüglich gnadenlos:

Eher in Ausnahmefällen trifft man auf Greyhounds, die weniger starke Altersanzeichen zeigen:

Warum ist das so?
Vermutlich ist die Antwort ganz naheliegend: Weil weder Langlebigkeit noch Altersfitness jemals ein Selektionskriterium in der Greyhoundzucht gewesen ist. Weder in den leistungsbetonten, noch in den ausstellungsbetonten Linien. Renn- oder Coursing-Greyhounds bringen ihre beste Leistung in den ersten Lebensjahren. Haben sie sich dabei als überdurchschnittlich erfolgreich erwiesen, gehen sie nach dem Ende der Sportkarriere eventuell in die Zucht. Hier gilt es, schnell Nachkommen ins aktive Geschehen zu bringen – denn erst wenn die Nachkommenleistung stimmt, erklimmt der Wert der Elterntiere einigermaßen interessante Höhen. Ob und in welcher Verfassung diese Hunde ein hohes Lebensalter erreichen, spielt hier keine Rolle.
Auch bei den Show-Greyhounds findet die „Show-Karriere“ üblicherweise in der ersten Lebenshälfte statt, und mit spätestens acht Jahren endet zumindest bei Hündinnen auch die züchterische Nutzung. Außerdem erleben wir insbesondere in den letzten Jahren einen Trend zu immer frühreiferen Hunden. Dem trägt auch das Ausstellungsgeschehen Rechnung, indem inzwischen häufig schon „Baby-Klassen“ mit „Best Baby in Show“-Wettbewerben angeboten werden. Greyhounds werden gerne früh und viel ausgestellt, und mit einem Show-Greyhound, der nicht spätestens mit vier Jahren sämtliche Championate im In- und benachbarten Ausland vollendet hat, muss irgendetwas Fundamentales nicht stimmen. Aus Sicht des Nutztierzüchters findet in diesem Zuge eine Selektion auf „Frohwüchsigkeit“ und „frühe Schlachtreife“ statt ;-)
Was dazu führt, dass wir teilweise schon in der Jugendklasse atemberaubend schöne und „fertige“ Greyhounds antreffen, die es locker mit ihren erwachsenen Konkurrenten aufnehmen können. Die aber im fortgeschrittenen Erwachsenenalter oft übertypisiert erscheinen, und mit spätestens sechs Jahren deutliche Alterserscheinungen zeigen.

Warum ist das bei einigen anderen Rassen nicht so?
Schaut man sich den Veteranen-Wettbewerb bei einer Allgemeinen Rassehundeausstellung an, springen einem immer die gleichen Hunderassen aufgrund ihrer großen Altersfrische ins Auge. Lässt man mal sämtliche kleinen Hunde unter 15 kg Körpergewicht außer Acht, die eben aufgrund ihrer Größe schon länger haltbar und fit bleiben, kommt man zu den Hunden, die noch nahe an ihrem ursprünglichen Gebrauchszweck stehen. Insbesondere Jagd- und Hütehunde fallen hier auf. Diese Hunde haben jeweils einen Verwendungszweck, der eine fundierte Ausbildung erfordert, und bei dem Intelligenz, Beharrlichkeit und Kontinuität wichtiger sind als körperliche Spitzenleistungen. Auf den Punkt gebracht: Wer sich die Mühe macht, einen gut veranlagten Hund dieser Rasse auszubilden, will diesen auch möglichst lange einsetzen können. Hier hat über die Generationen eher unbewusst eine Selektion auf Altersfrische und Langlebigkeit stattgefunden.
Es gibt auch Rassezucht-Vereine, die den Wert dieser Faktoren als Indikatoren allgemeiner Vitalität erkannt haben. So besaß ich um die Jahrtausendwende einen Hovawart-Rüden, der seine größten Ausstellungserfolge (u.a. BOS auf der Crufts oder BIS auf der belgischen Clubshow) im Alter von zehn Jahren feierte. Und zwar nicht, weil er „gut für sein Alter“ aussah, sondern einfach, weil er sehr rassetypisch war und seinen wesentlich jüngeren Konkurrenten im Ring davon marschierte. Dieser Hund hat aber auch lange zum Ausreifen gebraucht, erst mit fünf Jahren war er voll entwickelt. Dafür lief er bis zum 12. Lebensjahr am Fahrrad, und deckte seine letzte Hündin im Alter von zehn Jahren.
Ich glaube nicht, dass mein nun neunjähriger Greyhound-Rüde ähnlich lange ähnlich rüstig bleibt. Schon jetzt machen sich Einschränkungen im Bewegungsablauf bemerkbar. Wenngleich er problemlos noch eine Stunde am Fahrrad laufen kann und auch einer kleinen Spritztour hinter Fellträgern jedweder Art nie abgeneigt ist, sieht man z.B. beim Training auf der Bahn, dass das sich das Gangbild im Galopp bereits verändert hat. Damit gehen röntgenologisch feststellbare Veränderungen in der Wirbelsäule einher sowie ein äußerlich sichtbares Muskelzittern in den Hintergliedmaßen bei Erschöpfung.
Und das ist es, was mich so besorgt stimmt. Nicht, dass Greyhounds aber einem recht frühen Alter „nicht mehr schön“ sind. Sondern dass sie auch schon früh körperliche Einschränkungen hinnehmen müssen. Windhunde werden gerne als frei von den üblichen Geißeln großer Hunderassen (HD, ED, Cauda Equina…) angepriesen. Ich bin mir aber sehr sicher, dass man bei einer Röntgen-Reihenuntersuchungen älterer Greyhounds etliche arthrotisch veränderte Gelenke, Spondylosen oder Stufenbildungen an der Wirbelsäule sowie dysplastisch abgenutzte Hüftgelenke vorfinden würde.
Jeder, der bereits das Privileg hatte, mit einem alten Greyhound zusammen zu leben, weiß, wie besonders das ist. Denn Greyhounds werden geistig nie erwachsen, und erst recht nicht alt. Die folgenden Bilder mögen das verdeutlichen:

Aus diesem Grunde würde ich mir wünschen, dass bei der Planung zukünftiger Greyhound-Generationen auch darauf hingearbeitet wird, unseren Greyhounds auch möglichst lange den passenden Körper für ihren ewig jungen Geist zur Verfügung zu stellen.
Wege dahin sind bereits vielfältig beschrieben worden. Sei es als Bestandteil von rassespezifischen Zucht-Strategien, sei es als besonderes „Senioren-Prädikat“, wie vom VDH-Präsidenten Prof. Dr. Peter Friedrich bereits 2011 vorgeschlagen. Auch die „Puppy- und Veteranentage“ oder „Veteranen-Rallyes“ anderer Rassezuchtvereine rücken Themen wie Langlebigkeit und Altersfrische zumindest wieder ein wenig in den Fokus der interessierten Hundefreunde. Es gibt viel zu tun, packen wir es an!
Zum Weiterlesen: Prof. Dr. Peter Friedrich „Zuchtstrategien und ihre Anwendung“, „Unser Rassehund, 04/2011

Barbara Thiel

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