The Greyhound Show

20.6.2017

Deutsche Greyhounds bei MyDogDNA

Filed under: Gesundheit,Standesamt — admin @ 10:14


Wir haben dieses Jahr Proben von vier Greyhounds aus deutscher Zucht nach Finnland zwecks Erstellung eines MyDogDNA-Profils geschickt.
Der Neuropathie-Status unserer Greyhounds war uns vorher schon bekannt, und natürlich haben wir für unsere Zuchthunde den DNA-Nachweis ihrer Abstammung vorliegen.
Warum dann ein weiterer Gentest?

MyDogDNA ist insofern anders, als hier nicht nur auf den in unserer Rasse bekannten autosomal-rezessiv vererbten monogenen Gendefekt, der Greyhound-Neuropathie untersucht wird. Zusätzlich wird die Probe eines jeden Hundes auf 164 andere bei Hunden bekannte autosomal-rezessiv vererbte monogenen Mutationen geprüft. Was bedeutet das, und wofür ist das gut?
Also, „monogen autosomal-rezessiv“ bedeutet, dass die Mutation, die den Defekt auslöst,
1. …ein einziges Gen betrifft („monogen“)
2. …sich nicht auf einem Geschlechtschromosomen befindet (also nicht auf X oder Y – „autosomal“)
3. …nur zu Symptomen führt, wenn auf beiden Chromosomen eines Chromosomen-Paares die gleich Mutation vorliegt (Merkmalsträger). Ist das Gen auf nur einem Chromosom mutiert, ist der Hund zwar Anlageträger (er kann also die Mutation an sein Nachkommen weitergeben), wird aber nicht erkranken.
Mutationen dieser Art sind für viele der bei Hunden (und Menschen) bekannten Erbkrankheiten verantwortlich, für etliche liegen bereits standardisierte Gentests vor. Und durch genau diese Tests werden die Proben eines jeden Greyhounds bei MyDogDNA „gejagt“, und man bekommt Auskunft darüber, ob der eigene Hund Merkmals- oder Anlageträger oder frei von der jeweiligen Mutation ist.
Darunter sind dann alle möglichen Defekte wie diverse Blutkrankheiten, Augenerkrankungen, Neurologische Probleme, Hauterkrankungen, Stoffwechselstörungen, Muskel- oder Skelettkrankheiten, Überempfindlichkeiten gegenüber Medikamenten und viele mehr.

Auch wenn der Greyhound an sich als recht alte, gut durchgezüchtete Rasse mit wenig „Fremdeinflüssen“ gilt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei ihm weitere Defekte gefunden werden könnten. Zumal zunehmend Probleme, für die bei anderen Rassen bereits eine genetische Komponente nachgewiesen werden konnte, auch bei unseren Greyhounds auftreten.
Zusätzlich bietet der MyDogDNA-Test noch weitere interessante Informationen. In der Abteilung „Traits“ erhält man Auskunft über die genetische Veranlagung für verschiedene Exterieur-Merkmale wie Morphologie, Fellfarbe- und Beschaffenheit.

Weiterhin – und auch das finden wir sehr wichtig – wird die genetische Diversität des getesteten Hundes angegeben. „Genetische Diversität“ bedeutet, für wie viele Gene der Hund heterozygot ist, also unterschiedliche Erbinformationen auf den beiden Chromosomen trägt. Ein Hund mit einem großen Anteil homozygoter Gene weist zwar eine hohe Übereinstimmung zwischen Aussehen und vererbbaren Eigenschaften auf, läuft aber Gefahr, weniger vital und anpassungsfähig zu sein. Eine (zu) geringe genetische Diversität bei bestimmten Genorten soll u.a. das Auftreten von Allergien und Autoimmunerkrankungen beim Hund begünstigen.

Man bekommt aber nicht nur den Wert seines eigenen Hundes genannt, sondern erhält noch eine Einordnung, wie dieser im Vergleich zu anderen getesteten Vertretern seiner Rasse, aber auch im Vergleich zu anderen Windhunden dasteht.
Und last, but not least wird der eigene Hund gemäß seiner genetische Verwandtschaft zu anderen Greyhounds, aber auch zu anderen Windhundrassen „einsortiert“. Man sieht also, ob er z.B. genetisch der Greyhound-Population eines bestimmten Erdteils näher steht, oder den als „Show Dog“ oder „Hunting Dog“ oder „Dog Sports“ gekennzeichneten Populationen – aber auch, ob er möglicherweise gar nicht im Greyhound-Cluster zu finden ist, sondern vielleicht auf halbem Weg zu einer anderen Rasse, was dann berechtigte Zweifel an seiner Reinrassigkeit zuliesse…

Aus all‘ diesen einzelnen Wert wird ein „Genetic Health Index“ errechnet und dem getesteten Hund zugeordnet:

Dieser Index gibt an, wie der eigene Hund im Vergleich zu den anderen getesteten Individuen seiner Rasse in puncto Vorhandensein der überprüften Mutationen UND genetischer Diversität abscheidet. Ein Wert über 100 ist überdurchschnittlich, ein Wert unter 100 für diese Rasse unterdurchschnittlich.  Da sich natürlich die Mittelwerte der Rasse verändern können, wenn neue Rassevertreter getestet und dokumentiert werden, ist dieser „Genetic Health Index“ dynamisch und kann sich im Laufe der Zeit noch geringfügig nach oben oder unten bewegen. Er ist übrigens KEIN Prädikat im Sinne von „gut“ oder „schlecht“ oder „zuchtwertvoll“. Der „Genetic Health Index“ muss vielmehr als Indikator für Paarungsplanungen gesehen werden, bei denen man aus den Werten der Eltern den Index der zu erwartenden Welpen errechnet. Hier sollte man immer nach überdurchschnittlichen Ergebnissen streben, als Hilfsmittel bietet MyDogDNA das „Breeder Tool“ an.

Wir finden es wichtig, unsere Greyhounds so gut wie möglich zu erforschen, um uns so weit wie möglich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Und weil uns nicht nur die eigenen Hunde am Herzen liegen, sondern die Rasse Greyhound an und für sich, veröffentlichen wir gerne diese Ergebnisse und hoffen, dass mehr Züchter und Halter unserem Beispiel folgen. Denn nur, wenn möglichst viele Daten von möglichst wenig verwandten Greyhound zusammen kommen, erhält man ein aussagekräftiges Bild über den genetischen Zustand der Rasse.

Noch ein Wort zu dem uns gegenüber geäußerte Einwand: „Nachher finden die was bei meinem Hund, das will ich gar nicht wissen. Und wenn ich das veröffentliche, nimmt niemand meinen Rüden mehr zum Decken oder kauft meine Welpen….“. Solche Einwände sind natürlich im Sinne der Rasse sehr kurz gedacht – abgesehen davon ist die „Gefahr“ weit geringer, als anscheinend einige befürchten. Daher noch ein paar Wort zu dem, was passiert, wenn „die was finden“.

  • Ist das „Gefundene“ eine Mutation, die nur einzeln (heterozygot) und nicht doppelt vorliegt, wird der Hund ohnehin in keinem Fall irgendwelche mit dieser Mutation assoziierten Symptome zeigen – wir erinnern uns, alle diese Defekte waren ja rezessiv!
  • Ist das „Gefundene“ eine Mutation, die tatsächlich doppelt vorliegt, und bei unserer Rasse noch nicht beschrieben ist, wird Genoscoper (die Firma, die MyDogDNA vertreibt) der Sache nachgehen. Das umfasst einen separaten Test auf eben diese Mutation bei einem anderen akkreditierten Labor, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse korrekt sind. Außerdem wird der Eigentümer des Hundes gebeten, den Hund auf die mit der Mutation bei anderen Rassen verknüpften Symptome von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Mutation beim Greyhound die gleichen Probleme verursacht wie bei anderen Rassen (das muss gar nicht immer der Fall sein), sollten Hundehalter und Zuchtleitung gemeinsam entscheiden, wie weiter zu verfahren ist. Ein verantwortungsbewusster Greyhound-Besitzer wird diesen betroffenen Hund vermutlich nicht mehr zur Weiterzucht verwenden wollen. Das mag zwar im ersten Moment schmerzhaft sein, bringt aber auf lange Sicht das gute Gewissen, nicht unwissend einen Gendefekt in der Rasse weiter verteilt zu haben und zudem an wichtiger Forschung zur Gesunderhaltung unserer geliebten Greyhound mitgewirkt zu haben.

Deshalb freuen wir uns, dass auch schon vereinzelte andere Greyhound-Halter und –Züchter inzwischen ihre Hunde haben testen lassen und die Ergebnisse veröffentlichen. Und wünschen uns, dass es noch viel, viel mehr werden!

Hier geht’s zu den einzelnen Ergebnissen (jeweils beim Klick auf das Bild):



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